Krisenherde der Woche
Vietnam
Nordvietnamesische Truppen und Vietcong Einheiten haben am Wochenende große Teile der völlig zerstörten Stadt Kontum im Zentralen Hodiland in ihre Gewalt gebracht. In der Provinz Quang Tri und bei An Loc liefen Gegengangriffe südvietnamesischer Truppen fest; der Gegner verstärkte auch hier seine Anstrengungen. In Kambodscha sind Regierungstruppen bei Svay Rieng, etwa 110 Kilometer südöstlich- von. Phnom Penh, in schwere Bedrängnis geraten.
Die US Luftwaffe erhöhte die Zahl ihrer Einsätze gegen Norcvietnam weiter. Mit einer ferngesteuerten Bombe gelang ihr die Zerstörung einer wichtigen Brücke der Eisenbahnlinie Hanoi—Südchina. Das Pentagon gab bekannt, künftig bleibe kein Ziel von der Bombardierung ausgenommen — bis jetzt gab es noch gewisse Beschränkung.
Die britische Regierung und Nordirland Minister Whitelaw heben einen bedeutenden Erfolg im Kampf gegen die Unruhen errungen: Nach einem Jahr, politischer Abstinenz erklärte ach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDLP), die im Belfaster Parlament in der Opposition stand und die gemäßigten Katholiken repräsentiert, zur Mitarbeit bereit. Es sei Zeit für eine positive Antwort auf die britische Nordirland Initiacive.
Dagegen ist die vorerst auf Londonderry beschränkte katholische Friedensbewegung bei ersten Komaktgesprächen mit der Irischen Republikanischen Armee gescheitert. Der „offizielle" Flügel der IRA kündigte jedoch am Montag einen Waffenstillstand an In dem kleinen mittelafrikanischen Staat Burundi ist offenbar ein Pogrom im Gange. Mitglieder des regierenden Watussi Stammes sollen regelrechte Menschenjagden auf Angehörige der Wahutus veranstaltet haben, denen zwischen 1000 und 5000 Menschen — darunter, auch Frauen und Kinder — zum Opfer gefallen sind. Wahutus hatten hinter einem Umsturzversuch gestanden, der vor vier Wochen gescheitert war.
Premierminister Melen hat ein neues Kabinett gebildet. Nach den Mitgliedern zu urteilen, ist es mehr auf Ausharren bis zu den im Oktober 1973 fälligen Neuwahlen ausgerichtet denn auf tiefgehende Reformen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Ürgüplü, dessen Ministerliste von Präsident Sunay verworfen wurde, verzichtete er auf die Ernennung von Gegnern Demireis.
Das vor 13 Monaten in elf der 67 Provinzen eingeführte Kriegsrecht ist verlängert worden. Trotz zahlreicher und willkürlicher Verhaftungen ist Ankara der Unruhe nicht Herr geworden. Die Regierung beschuldigte in der Vorwoche die Kurden, durch Waffenschmuggel und Hilfe für „Terroristen" den eigenen Aufstand vorzubereiten.
- Datum 02.06.1972 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 2.6.1972 Nr. 22
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