Mit dem Gipfel zufrieden
Die SALT-Vereinbarung war das wichtigste Ergebnis
Das Moskauer Gipfeltreffen hat deutlich werden lassen, daß die Gefahr einer direkten Konfrontation zwischen den beiden Großen, den US A und der UdSSR, gebannt ist. Beide Staaten zeigten sich jedoch außerstande, auf kleine Verbündete — die Sowjets in Hanoi, die USA in Jerusalem — einzuwirken. Nixon und Breschnjew unterzeichneten zum Abschluß der Gespräche in Moskau eine Erklärung, in der beide dafür eintreten, militärische Konfrontation zu vermeiden, eine Weltabrüstung ins Auge zu fassen und die von der Sowjetunion gewünschte europäische, Sicherheitskonferenz in naher Zukunft abzuhalten. Auch zu konkreten Abkommen wie SALT, der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Raumforschung, in Wissenschaft und Technik nahmen sie Stellung; die Erklärungen zu Nahost und Vietnam blieben jedoch lau; die Differenzen bestehen weiter.
Es ist bezeichnend für die Situation, in der die Moskauer Gespräche stattfanden, daß im Kreml ein Abkommen zur Vermeidung von Zwischenfällen auf See und in der Luft unterzeichnet wurde, während die amerikanische Seeblockade vor der vietnamesischen Küste sowjetische Schiffe daran hinderte, die bombardierten Häfen zu verlassen oder den bedrängten Verbündeten mit neuem Nachschub zu versorgen. Zur gleichen Zeit wurde der amerikanische Präsident nicht müde, in Trinkspruch, Fernsehansprache und Kommunique den Russen das Gefühl der Gleichrangigkeit zu vermitteln. Die Demonstration amerikanischer Überlegenheit unterblieb diesmal.
Moskau, Leningrad und Kiew präsentierten sich die Amerikaner, allen voran Frau Nixon, auf ihren vielen Besichtigungstouren als „ganz normale, friedliebende" Menschen.
kommens zur Begrenzung strategischer Waffensysteme trotz großer Meinungsverschiedenheiten, vor allem wegen der fortgeschrittenen amerikanischen MIRVtechnik, wird als der größte Erfolg der Nixon Reise bezeichnet.
lich um quantitative, nicht qualitative Beschränkungen (siehe Kasten). Die Einhaltung der Vereinbarung, die, abgesehen von Abwehrraketen, nur für fünf Jahre gilt, soll durch Satelliten kontrolliert werden.
unterzeichnet wurden, sind sorgfältig vorbereitet worden. Lediglich beim Handelsabkommen gab es Schwierigkeiten. Aber es soll auch hier weitergehen. Ober eines der Haupthindernisse, die Regelung der Kriegsschuldenfrage, ist anscheinend ein Kompromiß erzielt worden. Statt der ursprünglich geforderten 9 12 Milliarden Dollar soll die Sowjetunion nun noch 500 Millionen für die während des Zweiten Weltkriegs von den Amerikanern erbrachten Hilfslieferungen zahlen.
besucht und flog am Montag nach Kiew. Für Mittwoch wurde er in Warschau erwartet. Dort wollen am gleichen Tage die Außenminister Rogers und Olszowski ein Konsularabkommen unterzeichnen, über das zehn Jahre verhandelt worden war.
- Datum 02.06.1972 - 07:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 2.6.1972 Nr. 22
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:



