Panzerschlacht Flick gegen Bührle
Wie E. W. Mommsen dafür sorgte, daß der Fla-Panzer um 1,4 Millionen Mark billiger wurde / Von Rolf Diekhof
Staatssekretär Ernst Wolf Mommsen gab seinem Chef eine knappe Empfehlung: „Da können wir ruhig noch warten, dann wirds billiger " Der Rat seines Staatssekretärs hat Verteidigungsminister Schmidt in Zeitnot gebracht: Bis zum Beginn der Parlamentsferien in eineinhalb Wochen muß Bonn über den mit insgesamt vier Milliarden Mark Ausgaben gegenwärtig teuersten Rüstungseinkauf entscheiden. Gekauft wird ein neuer Flugabwehrpanzer (Flapanzer) für das Heer — Bedarf: 400 bis 500Stück. Umstritten sind, noch der Preis und der Hauptauftragnehmer für das Milliardenprojekt.
Als Generalmanager empfehlen sich der reichste Mann der Schweiz, Dietrich Bührle, und der vielleicht reichste Deutsche, Friedrich Flick, mit seinen bewährten Panzer Managern bei KraussMaffei, München. Der Eidgenosse ist ;im Vorteil:
Bührle wird wie schon in der Vergangenheit auch künftig am deutschen Wunsch nach gepanzerter Flugabwehr verdienen. Denn in Bührles Imperium wurde — wenn auch großenteils im Bonner Auftrag der neue Panzer entwickelt.
Ein moderner Flapanzer ist seit nunmehr 20 Jahren Herzenswunsch deutscher Heeresgenerale; die Rüstungsindustrie werkelt seit 15 Jahren an dem Projekt, und der Steuerzahler hat die Zeche mehrerer gescheiterter Anläufe mit mehr als 200 Millionen Mark beglichen. Unter maßgeblicher Beteiligung des traditionellen deutschen Flakanonenherstellers Rheinmetall (Großaktionär ist die Familie Röchling) wurde das Projekt schon in den fünfziger Jahren in Angriff genommen. Beständig waren die Mißerfolge, während die Partner immer wieder wechselten. 1963 wurde der spektakulärste Mißerfolg begonnen: Rheinmetall, Siemens, AEG Telefunken und Krauss Maffei (zu fast 100 Prozent im Besitz der Flick Gruppe) wurden mit der Aufgabe betraut. Auf dem Fahrgestell des Kampfpanzers Leopard sollten die renommierten Firmen den leistungsfähigsten Flapanzer der Welt entwickeln. Der Kampfpanzer Leopard mauserte sich dank des Managements von Krauss Maffei zu einem europäischen Bestseller, der Flapanzer wurde 1970 aufgegeben, weil diesmal die Eidgenossen Weltklasse bewiesen hatten.
Denn Bührle hatte Anfang der sechziger Jahre seine Chance gewittert. Er bestellte bei KraussMaffei zwei Leoparden und ließ sie in der Maschinenfabrik Oerlikon Bührle auf eigenes Risiko umrüsten. Die Flakanonen von Oerlikon waren schon vor dem Zweiten Weltkrieg weltberühmt, und eine moderne Zwillingsflack war um 1960 gerade entwickelt worden.
Die Schweizer Konkurrenz fand in Bonn schon frühzeitig Wohlwollen. 1966 kaufte Bonn bei Bührle zwei erste Prototypen, 1969 wurden vier weitere Bührle Panzer bestellt, 1970 fällten Schmidt und Mommsen die Grundsatzentscheidung für die Bührle Waffe, 1971 wurde ein Vertrag über die Vorserie (zwölf Panzer) und damit auch ein Vertrag über die Weiterentwicklung bis zur Serienreife unterzeichnet.
Die Entscheidung für Bührle — sie wird hauptsächlich Mommsen zugeschrieben — erklärt sich aus Kosten- uncf Termingründen. Helmut Schmidt hatte die Einführung eines neuen Flapanzers bis einschließlich 1974 als vordringlich bezeichnet. Die deutsche Entwicklung, genannt Matador, aber wäre nicht vor 1976 fertig gewesen. Die deutsche Rüstungsindustrie war an der „Integration des Waffensystems" gescheitert.
- Datum 02.06.1972 - 07:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 2.6.1972 Nr. 22
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