Polen-Stolz
Viel Trubel gab es in Polen, als die Danziger Fünflinge Piotr, Roman, Adam, Agnieszka und Ewa am 12. Mai ein Jahr alt wurden. Die Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen feierten die Kinder: Schließlich sind es die einzigen Fünflinge im gesamten östlichen Lager. Sie werden als eine Art nationales Eigentum behandelt und als ein Ergebnis der fortschrittlichen polnischen Medizin, die an diesem Geburtstag großen Anteil hatte Ärzte der Klinik in Danzig Langfuhr, die sich monatelang um das Leben der vor einem Jahr mit 8450 Gramm Gesamtgewicht zur Welt gekommenen Babys verdient gemacht hatten, wurden von der polnischen Regierung mit Verdienstkreuzen geehrt. Der polnische Ministerpräsident entsandte einen Vertreter mit Glückwünschen und fünf Sparbüchern nach Danzig. Auch die Eltern, Armeeunteroffizier Stanislaw (37) und seine Frau Leokadia (31) Rychert, erhielten vom polnischen Schiffahrtsminister ein großzügiges Geschenk: eine sechswöchige Mittelmeerreise auf einem polnischen Sdiiff.
Zum Geburtstag erschienen auch Kriminalbeamte: Sie machten im Auftrage der Medizinwissenschaft von den fünf Kleinen Fingerabdrücke. Fast täglich erscheint überdies im Hause Rychert das polnische Fernsehen, um die Entwicklung der Kinder auf dem Film festzuhalten. „Das alles bringt in unser Haus viel Unruhe", sagte ziemlich erschöpft nach den Strapazen des Geburtstages die Mutter. Doch sie ist mit ihrem Los zufrieden. Noch sind die Kinder klein; der Größte, Piotr (82 5 cm), wiegt 9200 Gramm, die Kleinste, Ewa (69 cm), 7160 Gramm. Sie entwickeln sich „prächtig". Die Ärzte sind zufrieden. „Eines Tages werden sie groß sein, und alles wird wieder ruhiger Kurzök
- Datum 02.06.1972 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 2.6.1972 Nr. 22
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