Rätselhafte Schwerewellen
Jlenantenne, vermaß als erster jene Gravitationssignale, die Albert Einstein in seiner allgemeinen Relativitätstheorie postulierte. Doch seine Meßergebnisse brachten der Fachwelt und ihm nicht die erhoffte Klärung. Denn als Weber aus der Stärke der empfangenen Signale die Energie der Sender — Sterne im Zentrum der Milchstraße — berechnete, erhielt er als Ergebnis einen unwahrscheinlich hohen Wert: Danach müßte Tag für Tag ein Himmelskörper von der Größe unserer Sonne völlig in Schwerewellen zerstrahlen.
Das freilich, so errechnete Webers amerikanischer Kollege David Douglas, würde bedeuten, „daß alle Materie im Zentrum der Galaxis in etwa 100 Millionen Jahren verschwunden sein müßte. Wir wissen aber, daß die Milchstraße ungefähr zehn Milliarden Jahre alt sein muß — und das Zentrum ist immer noch da Douglas, Professor für Physik und Astronomie an der Universität von Rochester (New York), vermag im Augenblick auch keine Erklärung abzugeben, wo der Fehler liegt „Vielleicht sind. Webers Beobachtungen falsch sinnierte der Kritiker, „vielleicht ist auch Einsteins Theorie falsch. Vielleicht ist irgend etwas anderes falsch. Vielleicht paßt hinterher alles zusammen Auf jeden Fall, so glaubt Douglas, „werden Experimente zur Entdeckung von Schwerewellen helfen, die Probleme zu lösen".
Damit Weber nicht ganz allein die Beweislast zu tragen hat, installierte Douglas jetzt eine eigene Gravitationsantenne — eine der wenigen, die es bislang auf der Welt gibt — im alten Zyklotron Gebäude der Universität von Rochester (Das einst zweitstärkste Zyklotron der Welt wurde im vergangenen Jahr demontiert ) Ein staatlicher Zuschuß von 190 000 Mark half dem Schwerewellensucher, eine verbesserte, empfindlichere Gravitationsantenne nach dem Weberschen Bauprinzip zu konstruieren. Eine zweite, von den Bell Telephone Laboratories, ähnlich gebaute Antenne steht in Murray Hill (US Staat New Jersey). Das Zweitgerät soll helfen, lokale Störungen und andereErschütterungen, die nicht von Gravitationswellen hervorgerufen werden, aus den Meßergebnissen herauszüfiltern.
Der Detektor in Rochester, ein massiver Alumimumzylinder, wiegt 3 6 Tonnen, ist 65 Zentimeter dick und 3 60 Meter lang. Das schwere Gerät hängt in einer Vakuumkammer und wird sorgsam von allen äußeren Einflüssen abgeschirmt. Wenn die Berechnungen des Professor Douglas stimmen, soll die Gravitaticnsantenne die verschwindend kleinen Bewegungen des Aluminiumzylinders beim Durchlauf von Schwerewellen registrieren und elektrisch aufzeichnen. Wie klein die Bewegung sein soll, hat Douglas bereits herausgefunden: Der Zylinder schwingt etwa um ein Hundertstel eines Atomkern Durchmessers, h
- Datum 02.06.1972 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 2.6.1972 Nr. 22
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