Wintershall Rettungsanker für Salzdetfurth
An der Börse halten sich zwei Werte relativ gut, obwohl sie weder vom Ertrag noch von den Zukunftsaussichten her sonderlich attraktiv sind: Wintershall und Salzdetfurth. Bei der Wintershall AG, deren Kapital zu 96 Prozent im Besitz der Badischen Anilin- und Soda Fabrik — BASF — ist, hoffen einige wenige freie Aktionäre nach dreijähriger Prozeßdauer offensichtlich immer noch auf einen Erfolg der Anfechtung der Bewertung des Ümtauschangebots der BASF von 1968 und des Widersprudis gegen die Eingliederung der Wintershall AG in den Lud : wigshafener Chemierresen.
Die Aktien der Salzdetfurth AG, die im Geschäftsjahr 1971 am amerikanischen Great Salt Lake einen Verlust von 80 Millionen Mark erlitt, erfreuten sich bisher der Aufmerksamkeit von gezielten Spekulationen. An dem hannoverschen Unternehmen hatte die BASF Tochter Wintershall zur Abwehr möglicher ausländischer Interessen eine Beteiligung von 43 4 Prozent erworben. Nach dem Debakel des vergangenen Jahres soll jetzt die gemeinsame Wintershall Salzdetfurth Griindung Kali und Salz AG (Kali Marktanteil 90 Prozent) in zwei Stufen auf Salzdetfurth umgewandelt und das Kapital auf 250 Millionen Mark erhöht werden, so daß die Wintershall Beteiligung auf 71 Prozent steigt. Der Name Salzdetfurth wird dann in Kali und Salz AG umgewandelt und die Gesellschaft von Hannover nach Kassel, dem Sitz von Wintershall, verlegt werden.
Den hohen Börsenkurs von Salzdetfurth, der trotz der Hiobsbotschaften um 110 Prozent pendelt, erklärt Wintershall Vorstandsvorsitzender Dr. Ernst Denzel mit „ungerechtfertigten Hoffnungen auf ein Abfindungsangebot durch Wintershall oder die BASF". Daran aber sei angesichts der hohen Kosten einer Neubewertung des Vermögens der aufnehmenden Gesellschaft nicht zu denken. Die Wintershall hat sich allerdings bereit erklärt, den verbleibenden freien Salzdetfurth Aktionären eine Dividende von fünf Prozent zuzusichern, mh
- Datum 02.06.1972 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 2.6.1972 Nr. 22
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