Würstchen-Kopfweh
Natrium Nitrite, die in Deutschland beispielsweise im Pökelsalz zum Konservieren und „Schönen" von Fleisch verwendet werden, verursachen bei manchen Menschen höchstwahrscheinlich Kopfweh. Das entdeckte jetzt ein Forschungsteam der Universität von Kalifornien in San Francisco. Der Neurologe Neil Raskin und sein Assistent "William Henderson begannen ihre Studie vor sieben Monaten, nachdem ein 5 8jähriger Mann zu ihnen gekommen war und über starke Kopfschmerzen nach dem Genuß auch nur kleiner Mengen Wiener Würstchen geklagt hatte.
Seither, so Raskin, „haben wir mehrere Dutzend solcher Fälle gefunden. Früher haben die Leute wahrscheinlich Angst gehabt, für verrückt erklärt zu werden, wenn sie über ihr WürstchenKopfweh sprechen würden. Seitdem aber einiges über unsere Studie bekannt wurde, kommen viele zu uns und berichten über ihre Beschwerden " Nactr den bisherigen Untersuchungen handelt es sich bei den Patienten urn Menschen, die besonders empfindlich auf Natrium Nitrit reagieren — eine Chemikalie, die in vielen- Fleischfabriken dazu eingesetzt wird, um Schinken, Salami, Würstchen und Speck eine appetitliche und frische Farbe zu geben. Das Kopfweh setzt etwa 30 Minuten nach Verzehr des Fleisches ein und wird manches Mal begleitet von einer starken Gesichtsrötung; die Schmerzen dauern oft mehrere Stunden. Wie Raskin und Henderson in einem Bericht der American Academy of Neurology jetzt schreiben, „gibt es mehrere Lebensmittel, die bei manchen Menschen Kopfweh erzeugen. Dazu gehören Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte und Alkohol". Diese sogenannte Lebensmittelmigräne wird allgemein auf eine Allergie der Patienten gegenüber diesen Genußmitteln zurückgeführt. Dafür aber gibt es — so die beiden Forscher — keinerlei Beweise. C. D.
- Datum 02.06.1972 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 2.6.1972 Nr. 22
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