ZEITMOSAIK

Man muß wissen, bis wohin man zu weit gehen kann ]ean Cocteau Bildungsminister Dohnanyi kompensiert die triste Lage der Bildungsreform durch seinen Optimismus. So ist er fest davon überzeugt, daß der Zwischenbericht zum Bildungsgesamtplan im Herbst verabschiedet wird. Das nimmt Wunder, denn die Regierungschefs von Bund und Ländern haben gerade mitgeteilt, was ihnen noch nicht daran gefällt. Es wird gebeten, erneut zu prüfen, ob die Differenzen zwischen den CDU- und SPDLändern über die Gesamtschule nicht doch beigelegt werden könnten; das Bildungsbudget noch einmal zu überdenken; Stufenpläne zur stückweisen Realisierung des Mammutplanes anzufertigen. Die letzte Bitte ist die beste, sie hätte schon längst in Angriff genommen werden können. Die erste dagegen stimmt skeptisch: Über die Gesamtschulideologie wird sich die CDU mit der SPD jetzt ganz bestimmt nicht einigen wollen. Das vielzitierte Bildungsbudget ist der wundeste Punkt. Dohnanyi möchte es am liebsten wieder vom Bildungsplan abkoppeln, denn: „Wer ein mündelsicheres Budget bis 1985 fordert, will nur den Gesamtplan verhindern" — eine Einsicht, der sich die CDU energisch widersetzen wird. Wieso soll also bei dieser Lage der große Plan im Herbst von der Bund Länder Kommission verabschiedet werden? Das ist doch nur dialektisch zu verstehen: Eine Chance sieht Dohnanyi, solange die CDU mit Kultusminister Vogel aus Rheinland Pfalz noch den Vorsitz in der Bund Länder Kommission einnimmt. Der Vorsitz wechselt im Oktober, dann ist die SPD wieder dran. Sie wird keine Unterstützung von der CDU bekommen, dafür aber dann die CDU von der SPD.

Im Herbst werden auf Berliner Bühnen gleich drei Prinzen von Homburg zu sehen sein. Im Schillertheater inszeniert Intendant Hans Lietzau das Stück, die Titelrolle spielt Helmut Griem. Peter Stein, soeben wieder in die Kollektivleitung der Schaubühne zurückgewählt, aus der er vor kurzem ausgeschieden war, inszeniert Kleists Drama am Halleschen Ufer. Und um das Maß voll zu machen: in Ost Berlin, am Deutschen Theater, wird Manfred Wekwerth, jahrelang der erste Regisseur des Berliner Ensembles und erst kürzlich durch eine bemerkenswerte „Richard"Inszenierung zum Deutschen Theater gestoßen, das Stück inszenieren. Da bis zum Herbst die Besucherregelung durch das Berlinabkommen in Kraft ist, werden also Westberliner gleich drei Aufführungen des Stücks vergleichen können. Berlin ist damit in einer Theatersituation, die — zumindest für den „Prinzen von Homburg", der alle „Feinde Brandenburgs" in den Staub wünscht — an die zwanziger und frühen dreißiger Jahre erinnert. Fehlt noch, daß sich die Berliner Opernhäuser in Ost und West des gleichnamigen Prinzen von Henze erinnern.

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Ein Gedächtnis Symposion wird die von Bertrand Russell gegründete Bertrand RussellFriedensstiftung im September dieses Jahres in Linz in Österreich abhalten. Das Thema der Tagung, zu der Jean Paul Sartre und Noam Chomsky einladen, lautet: „Einflußnahme im Zeitalter des Imperialismus". Seit Russells Tod (1970) hat die Gesellschaft Aktivitäten vorwiegend in Kambodscha entfaltet.

Der schwedische Reichstag hat am 25. Mai die Abgabe der Bibliotheken an Schriftsteller von 15 auf 18 öre erhöht. Damit hat sich dieser Beitrag in acht Jahren verdreifacht. 1963 gab es noch sechs öre für jedes ausgeliehene Buch, 1970 waren es schon zwölf, 1971 fünf zehn öre. Gleichzeitig nahm auch der Bücherverleih kräftig zu. 1961 wurden in den öffentlichen Bibliotheken 48 2 Millionen Bücher ausgeliehen, 1970 waren es 71 Millionen. Die Summe, die damit den Schriftstellern zugute kommt, kletterte in der gleichen Zeit von 1 5 auf 7 4 Millionen Kronen. Davon werden gegenwärtig 22 Prozent direkt an die Schriftsteller ausgezahlt. Den Rest erhalten Fonds für Stipendien, Altersrenten und Prämiierungen.

 
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