Silberminen, Geld, Kultur und was man damit tun kann

Von Jürgen Claus

Seit dem Tag der Ankunft in Aspen, Colorado, hatte ich eine Erwartung: einen Silbergräber zu treffen, wie er in meiner Phantasie lebte. An den Bergen ringsum waren wie riesige Maulwurfslöcher die Reste der Minen, die Überreste dessen, was man nach der Ausbeutung zurückgelassen hatte, aufgeschüttet. Vorzeichen einer Bewegung, die sich später einmal Erd-Bewegung oder Erd-Kunst oder Erd-Dinge nennen sollte?

Die Orte hier hatten die freundlich verheißungsvollen Namen der Schätze, die die Erde barg: Basalt, Leadville, Marble, Carbondale, Crystal City, Aspen war die Ausnahme, nach den Bäumen benannt, die ringsum wachsen; eine Art Pappelbaum, dessen Blätter in der leichtesten Brise hin und her flattern.

Ich habe in den acht Wochen, in denen ich in Aspen als „Artist-in-Residence“ war, den Silbergräber meiner Phantasie nicht getroffen. Niemand trägt mehr seine hochgeschnürten Schuhe, Flinte, Axt, Beil und andere Gewaltwerkzeuge, niemand setzt sich auf ein zweirädriges Gespann (mit Elchen davor), niemand stützt sich nach der Rundum-die-Uhr-Arbeit im Stollen auf die Lokomotive, wenn ein Photo gemacht wird. Der „Denver and Rio Grande“ und der „Colorado Midland“ fahren schon lange nicht mehr.

Aber die Spuren der Eisenbahnen, an reißenden Flüssen entlang geführt, sind da, zersplitterte Monumente wie aus der Vorzeit, denn die Geschichte des weißen Mannes in diesem Staat ist jung, und Jahrzehnte machen hier, was andernorts Jahrhunderte machen.