Man munkelt, er habe mehrere Millionen zweckentfremdet verwendet. Das geschah, obwohl die „renommierte und etablierte“ Münchener Wirtschaftsprüfungsgesellschaft „Treuhansa GmbH“ als Treuhänder den Kommanditisten zuvor versichert hatte: „Wir wachen darüber, daß keine Gelder zweckentfremdet oder veruntreut werden können.“

Strafanzeigen hagelt es auch bei anderen Abschreibungsgesellschaften. Einige der dabei vorgelegten Schriftsätze lesen sich wie Abenteuerromane. Meist versuchen die ehemaligen Partner und Beteiligten sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben.

So wirft Paul Deborre, Ex-Aufsichtsratsvorsitzender der Stader Beteiligungsfirma DAKA, die ein „Superding“ (so die Werbung) auf Gran Canaria plante, der Geschäftsführung kriminelles Geschäftsgebaren vor. Er führt aus: „Der Geschäftsführer (der DAKA) bat mich zu einer Unterredung nach Stade. Während ich dort weilte, drang man in meine Hamburger Wohnung ein und erbrach meinen durch ein Kombinationsschloß gesicherten Koffer. Gestohlen wurden Unterlagen, mit denen ich beweisen wollte, daß die Geschäftsführer mit Kommanditistengeldern Grund- und Gebäudebesitz auf ihren eigenen Namen gekauft hatten. Die Hamburger Kriminalpolizei hat sofort alle Spuren sichergestellt.“ Kommentar der Initiatoren der Gesellschaft: „Wie im Thriller.“ Die dabei erzeugte Spannung muß von den Anlegern allerdings sehr teuer bezahlt werden.

Weniger kriminell, aber mit nicht weniger unangenehmen Folgen scheint nun auch ein Unternehmen zu enden, das bislang als eines der seriösesten der Branche galt, das Alcumeria Beteiligungsobjekt Afarent. Es wurde unter Assistenz der Westfalenbank betrieben. Doch als es finanzielle Schwierigkeiten gab und der spanische Bauunternehmer seine Tätigkeit einstellte und obendrein zur Deckung seiner Forderungen – nach spanischer Usance – Anspruch auf das Afarent-Eigentum erhob, zog sich die Westfalenbank galant aus der Affäre. Sie erklärte, „daß der Alcumeria Fonds Afarent kein Fonds der Westfalenbank sei, sondern nur seinerzeit von der Vertriebsgesellschaft Veuka, an der die Westfalenbank damals beteiligt war, plaziert worden sei.“ Nun versuchen die Anleger festzustellen, ob ihre bereits eingezahlten Gelder (rund 25 Millionen Mark) überhaupt voll in den unvollendeten Hotelbau geflossen sind und wie das Projekt noch gerettet werden könne.

Die Alcumeria-Kommanditisten können noch froh sein, denn wer auftretende Schwierigkeiten offen bekennt, gehört offensichtlich zu denen, die versuchen, sie zu lösen. Der große Skandal der Abschreibungsbranche droht nämlich erst Ende 1973. Dann müssen die Abschreibungs-KGs ihre Karten dem Finanzamt offen auf den Tisch legen und nachweisen, wo die Millionen, für die der deutsche Fiskus Steuervorteile gewährt hat, geblieben sind.

Viele Gesellschaften haben jedoch noch nicht einmal den ersten Spatenstich für ihr steuerlich begünstigtes Hotelobjekt getan und werden – angesichts ihrer finanziellen Auszehrung – wohl auch keinen vornehmen können. In anderen Fällen reichen die noch vorhandenen Mittel statt für das geplante Luxushotel mit Freizeit- und Vergnügungseinrichtungen lediglich für den Bau einer bescheidenen Frühstückspension. Daß diese dann nicht die versprochenen Traumgewinne abwerfen kann, liegt auf der Hand.

Ob der deutsche Gesetzgeber solches im Sinn hatte, als er 1968 im Rahmen des Entwicklungshilfe-Steuergesetzes Unternehmern Sonderabschreibungen einräumte, die in Entwicklungsländern Fabriken oder Dienstleistungsbetriebe errichten und unterhalten, ist zweifelhaft. Eine Oberfinanzdirektion im Rheinland bekennt freimütig: „Mehr als die Hälfte der Abschreibungs-KGs wird platzen.“ Eine üble Sache für die Geldanleger: Sie verlieren nämlich nicht nur ihre Einlage, sondern müssen die eingeräumten Steuervorteile sofort zurückzahlen. Aus dem Geschäft wird dann tatsächlich ein echtes Verlustgeschäft.