Von Rosemary Callmann

Bochum

Gestern zogen sie an einem Strang, um das große Geschäft mit dem Umweltschutz zu machen, heute sitzen sie als Hauptangeklagte des Cyanid-Skandals vor den Schranken der 6. Großen Wirtschaftsstrafkammer des Bochumer Landgerichts und giften einander an: Joseph Maluga (37), Geschäftsführer und alleiniger Inhaber der Orm-Fairtec-Chemie Gesellschaft mbH, sowie der 34jährige Chemotechniker Hermann Schelhorn. Die Anklage gegen Maluga, seinen fristlos entlassenen „Chemie-Papst“ sowie fünf Helfershelfer lautet auf Verstoß gegen das Wasserhaushaltsgesetz, fortgesetzten Betrugs und wissentliche Beihilfe?

Hinter diesen trockenen Formulierungen verbirgt sich eine Schlamperei im Umgang mit Gift, die nach Ansicht von Fachleuten Millionen Menschen hätte töten können. Daß nur Nachrufe auf den Umweltschutz geschrieben werden mußten, geht auf das Konto der DKP, die im vergangenen Sommer die Alarmglocke läutete, als sich teils beschädigte, teils undichte Fässer voll cyanidhaltiger Härtesalze auf einer Müllkippe in Bochum-Gerthe häuften. Die bislang der Umwelt gegenüber taube Verwaltung der Ruhrgebietsstadt begann auf Grund einer DKP-Lageskizze zu baggern und sah sich mit dem bisher spektakulärsten Fall von Umweltvergiftung konfrontiert.

Die Frage, wie und weshalb die inzwischen auf dem Boden des Atlantiks versenkten Giftfässer überhaupt auf die Kippe kommen konnten, ist vor allem ein Stück Anschauungsunterricht in moderner Wirtschaftskriminalität und erst in zweiter Linie die Suche nach dem tatsächlich Schuldigen, der die kostspielige Giftschlammsuppe von Bochum auslöffeln soll.

Obwohl der Ausgang des teils makabren, teils grotesken Prozesses noch offen ist, kann der Anfang des Giftskandals präzise festgelegt werden. Es begann damit, daß der Kaufmann Orm Bergold, zuletzt wissenschaftlicher Berater der Maluga-Firma, die Neue Zürcher Zeitung studierte und dabei von einer neu entwickelten „Cyanid-Cat“-Anlage las, die cyanidische Lösung durch mehrere Prozesse derart vernichtet, daß im Endergebnis die freiwerdende Blausäure zu Pulver aufgelöst wird und das Problem der Cyanid-Abwässer entfällt.

Bergold empfahl Maluga den Kauf einer solch gewinnversprechenden Anlage, die – kaum installiert – zu fünf Prozent arbeitete und zu 95 Prozent repariert werden mußte. Meinung eines Gutachters beim Lokaltermin: „Das Ding konnte gar nichts taugen. Am besten hätte man die Anlage sofort verschrottet, nachdem sie geliefert und bezahlt worden war.“