Die Freien Demokraten wollen das Schwergewicht ihrer Regierungsarbeit auf die Innenpolitik verlagern. Zum Abschluß des 107. Dreikönigstreffens der südwestdeutschen Liberalen in Stuttgart stellte der Bundesvorsitzende Walter Scheel die Mitbestimmung, Vermögensbildung und Wirtschaftspolitik in den Vordergrund seiner Rede. In diesen Punkten werde die Regierungserklärung eine „liberale Handschrift“ tragen.

In der Mitbestimmungsfrage laufen die Vorschläge der FDP auf eine Beteiligung der leitenden Angestellten neben Arbeitgebern und Arbeitnehmern hinaus. Scheel bedauerte, daß die Firmen in dieser Diskussion noch keinen ernst zu nehmenden Beitrag geleistet hätten. Bei der SPD und den Gewerkschaften sei ebenfalls „noch viel zu klären“.

Kritik erntete Scheel von zwei Seiten. Die Bundesvorsitzende der Jungdemokraten, Ingrid Matthäus, plädierte für eine weniger starre Haltung beim sogenannten Riemer-Modell zur, Mitbestimmung. Die Freien Demokraten hätten der SPD lieber bei der Reform des Abtreibungsparagraphen „auf die Nerven fallen sollen“.

Besonders scharf war die Reaktion des Gewerkschaftsvorsitzenden Heinz-Oskar Vetter. Die Arbeitnehmer, erklärte er, hätten die sozial-liberale Koalition nicht gewählt, damit sie auf Ideologien des 19. Jahrhunderts zurückfalle und mit einem „Dreiklassenrecht“ einer hauchdünnen Schicht von (leitenden) Angestellten Wahlgeschenke bereite.

Die baden-württembergischen Liberalen bestätigten den neuen Staatsminister Karl Moersch als Landesvorsitzenden im Amt. Er erhielt allerdings nur 236 von 379 Stimmen.

Am gleichen Wochenende haben die Jungdemokraten in Nordrhein-Westfalen den Burgfrieden mit ihrer Partei aufgekündigt. Die Stillhaltevereinbarung für die Zeit des Wahlkampfes endete mit einer harten Attacke gegen die Kirchen und damit indirekt gegen die FDP, welche dieses „alte Anliegen liberaler Politik“ bisher aus wahltaktischen Gründen nicht aufgegriffen habe. Die Jungdemokraten an Rhein und Ruhr fordern „die konsequente Trennung von Kirche und Staat“. Parteipolitisch will der Landesverband nicht so sehr „große Konflikte“ mit der Partei provozieren als vielmehr an der Basis arbeiten, um dort „die Delegiertenmehrheiten zu ändern“.