Ball paradoxWo Witwen den Ton angebenSeite 2/2

Fünfzigtausend Ehen wurden bisher im Café Keese gestiftet. Die Heiratsanzeigen sind gesammelt worden. Und jedes Ehepaar erhielt sofort eine Flasche Jubiläumssekt. Auf dem Etikett war das Jahr ihrer Hochzeit verzeichnet. Hundert von „Keese-Ehepaaren“ werden zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum eingeladen,

Eines der Ehepaare hat ein Papier- und Geschenkartikelgeschäft in Hamburg-Winterhude, Der Mann sagte: „Mein Sohn darf aber nicht wissen, wo ich meine Frau kennengelernt habe.“

Der neue Inhaber des „Café Keese“, H. P. Feussner, war Drogist und dann Vertriebskaufmann; er will aber nicht sagen, was er vertrieben hat. Zwei Jahre verhandelten er und sein Partner K. Tietjen, der Installateur lernte und dann auch Vertriebskaufmann wurde, mit Keese.

H. P. Feussner kommt am besten in Glencheckanzügen zur Geltung und hat eine Vorliebe für Weißgold. Und er wird, sagt er, den Charakter des Hauses nicht um einen Zentimeter verschieben. Aber er bedauert, daß im Café Keese in Berlin nur dreißig Prozent der Damen die Herren zum Tanz bitten, während es im Café Keese in Hamburg und im Café Keese in Niendorf/Ostsee fünfundneunzig Prozent sind: K. Tietje kümmert sich jetzt um Berlin. Und in den drei Häusern stehen bald wieder Pagen. Studentinnen müssen in die roten Uniformen schlüpfen. H. P. Feussner will auch namhaften St.-Pauli-Gastronomen einen Antrittsbesuch machen. „Sollten sie aber einmal unverschämt werden“, sagte H. P. Feussner, „– wir haben ja noch unsere Zeitschriften im Hintergrund, wo man entsprechend über sie schreiben könnte; eine Drohung damit würde wahrscheinlich genügen. Allein von St. Pauli Extra gehen 400 000 Exemplare in alle Welt, und das Café Keese ist bekanntlich weltberühmt.“

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