Wären die Jungdemokraten doch nur, was sie so gern sein möchten: eine Herausforderung für die FDP! Es reicht nur leider nicht ganz, wie ihr jüngster Kongreß in Duisburg wiederum zeigte. Zwar stehen auch die Jungliberalen, ähnlich wie die Jungsozialisten, am linken Rand ihrer Partei, und sie sparen auch nicht mit rüden Attacken gegen das Partei-Establishment, das teils gezwungen, teils aus Neigung konservativ geworden sei. Sogar Karl-Hermann Flach, früher ein Schutzheiliger der Jungdemokraten, geriet ihnen jetzt fast schon zum Verräter am Liberalismus. Aber im Gegensatz zu den Jungsozialisten wirken die Jungdemokraten in Theorie und Praxis der Politik wie Amateure.

Endlose Personaldebatten, die schließlich dazu führten, daß die bisherige Vorsitzende, Ingrid Matthäus, den Laufpaß erhielt, und ihr Nachfolger, Friedrich Neunhöffer, mit knapper Not einen vollständigen Vorstand zusammenbrachte, verzehrten die politische Energie. Einig waren sich die Judos nur über die Uraltforderung der Liberalen: Trennung von Kirche und Staat. Die Forderung ist wohl heute noch richtig, aber ist sie noch so wichtig?

Zum Kernproblem des modernen Liberalismus hingegen – wie soll der freiheitliche Sozialstaat aussehen? – boten die Jungdemokraten kaum mehr als bläßliche Wiederholung jungsozialistischer Theorien. Ihre politische Kraft reichte für einige Provokationen, zur wirklichen Herausforderung nicht. R. Z.