Dokumente der ZEIT: Brandt – Glaubwürdig bleiben

Auf einer Tagung der SPD-Führungsgremien in Bonn sagte der Parteivorsitzende Willy Brandt nach dem Wortlaut eines Kommuniqués:

Es komme auf diesem Parteitag (Mitte April in Hannover) nach dem größten Wahlerfolg in der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie darauf an, daß die Partei in ihrer Glaubwürdigkeit nicht Schaden leidet, sondern in dieser Glaubwürdigkeit bestätigt wird ... „Dazu gehört, daß das Wahlprogramm der Partei vom Oktober 1972 nicht desavouiert werden darf. Ich könnte die Verantwortung nicht tragen für etwas, was im Widerspruch stünde zu dem, wofür ich mit anderen die breite Zustimmung der Wähler gefunden habe ...“

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Zu den außenpolitischen Beschlüssen des Juso-Kongresses sagte er: „Die Politik des Abbaus von Spannungen kann nur in der Welt erfolgen, in der wir leben, und nicht in einer Laboratoriumswelt. Dies macht zwingend erforderlich, daß wir unsere Stellung nicht zwischen den Blöcken suchen, sondern unsere Verankerung im westlichen Staatensystem einschließlich der damit verbundenen verteidigungspolitischen Bindungen beibehalten, denn nur mit Hilfe dieser Verankerung können wir ohne Illusionen Entspannung bewirken ...“

Der Bundeskanzler betonte, vor allem aber komme es darauf an, das Verhältnis zu den Freien Demokraten nicht kurzatmig, sondern als längerwirkendes sozialliberales Bündnis zu sehen ...

„Der ideenmäßige Pluralismus, von dem Kurt Schumacher bei der Wiedergründung unserer Partei ausgegangen und von dem auch unser Godesberger Programm geprägt ist, wird die Stärke der SPD bleiben, wenn immer wieder die gemeinsamen Grundüberzeugungen herausgearbeitet werden ...“

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  • Quelle DIE ZEIT, 23.3.1973 Nr. 13
  • Schlagworte SPD | Willy Brandt | Bundeskanzler | Entspannung | Geschichte | Parteitag
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