Untergebuttert
In der Europäischen Gemeinschaft ist schon lange nicht mehr alles in Butter. Das bezeugen auch die ständig wachsenden Butterberge. Die Methode freilich, mit der sie jetzt abgetragen werden, schlägt nun wirklich dem europäischen Butterfaß den Boden aus. Kanonen statt Butter? Nicht einmal das. Die Sowjets, die der EG 200 000 Tonnen abkaufen wollen, bieten ganze 55 Pfennig pro Pfund. Da kann die deutsche Hausfrau nur staunen: Sie muß für die gleiche Menge mindestens das Siebenfache berappen.
Aber die Gemeinschaft hat ihre eigene Logik. Was für jeden ein schlechtes Geschäft wäre, ist für sie ein gutes. Die Rechnung ist einfach: Die EG buttert bei dem Ausverkauf fast eineinhalb Milliarden Mark an Steuergeldern zu, die sie an Steuergeldern für den Ankauf der Butter ausgegeben hat. Doch das Geld wäre auch verloren, wenn die Butter ranzig würde. Aber indem sie die Butterhalde von 400 000 Tonnen halbiert, spart die Gemeinschaft auch die Hälfte der Millionenwerte für die Lagerung.
Muß es den Europäern nun butterweich werden ums Herz, weil sich die Sowjets durch unsere Butterberge essen? Mitnichten. Denn die Lagerhallen der EG werden nicht lange halbleer bleiben. Schon die bevorstehende Preiserhöhung für Milchprodukte wird die Butterproduktion erneut ankurbeln und die Hallen wieder füllen. Die Wege der EG-Agrarmarktordnung sind sonderbar. Niemand braucht sich zu wundern, daß da manches Quentchen europäischer Begeisterung untergebuttert wird. D. B.






