Island Erstmals Schüsse
Im „Kabeljaukrieg" innerhalb der von Island beanspruchten 50 Meilen Zone kam es in der Nacht zum Dienstag zum erstenmal zu ernsten Zusammenstößen. Nach englischen Funksprüchen hat das isländische Kanonenboot „Thor" die beiden britischen Trawler „Brucel" und „Portia" mit scharfer Munition beschossen; zuvor habe „Thor" den Trawler „St. Leger" gerammt. Nach isländischer Darstellung soll hingegen ein britisches Fischereischiff das Kanonenboot gerammt haben. Die verschärfte Situation wurde von gegenseitigen Protesten begleitet.
Am Dienstag protestierte auch die deutsche Botschaft in Reykjavik: Ein isländisches Küstenwachschiff habe die Fangleinen des Bremerhavener Trawlers „Spitzbergen" gekappt.
Island hatte seine Fischereigrenzen am 1. September 1972 von 12 auf 50 Seemeilen mit der Begründung ausgedehnt, die für Island lebenswichtigen Fischbestände würden von fremden Fangflotten zu stark reduziert. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag erklärte auf deutschen und britischen Antrag durch einstweilige Verfügung die einseitige Erweiterung für völkerrechtswidrig.
- Datum 27.04.1973 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 27.4.1973 Nr. 18
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