Gold-Rekord

Auf dem freien Goldmarkt ist der Preis für eine Fein-Unze am Dienstag auf 110 Dollar geklettert. Wer diesen Rekordpreis mit jenen 35 Dollar vergleicht, die im März 1968 bei der Eröffnung des freien Marktes bezahlt wurden, wird den Stoßseufzer „Gold hätte man kaufen müssen“ nicht unterdrücken können. Doch das Risiko ist groß: Gold bringt keine Zinsen.

Was geht auf diesem Markt vor? Seit einigen Tagen wird wieder spekuliert. Besitzer von vagabundierenden Dollar trennen sich von ihnen und kaufen Gold oder Mark. Höhere Zinsen locken ebenso wie die Erwartung, die Bundesregierung werde ihrem Stabilitätsprogramm eine Aufwertung gegenüber den europäischen Partnern folgen lassen. Zu diesen technischen und psychologischen Motiven gesellen sich hysterische. Die Watergate-Affäre und die Furcht vor einer amerikanischen Staatskrise treiben insbesondere die Ölländer dazu, ihre Dollar-Erlöse in Mark oder Gold anzulegen. Der Dollar-Kurs sinkt, der Goldpreis steigt.

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Hätten wir noch feste Wechselkurse, wären wir schon wieder mittendrin in einer neuen Währungskrise. Im Zeitalter des Floatens, freischwankender Kurse also, entwickelt sich jedoch keine große Kapitallawine, die alles unter sich begräbt; denn es gibt keine garantierten Gewinne. Diesmal sitzen die Notenbanken in der Proszeniumsloge und sehen dem Geschehen auf der Währungsbühne interessiert, aber untätig zu. Gold und Mark werden deshalb noch längere Zeit begehrt bleiben. Unter solchen Umständen kann der Goldpreis vor dem Herbst kaum sinken. R. H.

 
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