Der 64jährige Peronist Hector Campora hat am Freitag voriger Woche sein Amt als argentinischer Präsident angetreten und die erste zivile Regierung nach sieben Jahren Militärherrschaft gebildet. Während seiner dreistündigen Rede vor dem Kongreß ging die Polizei gegen Demonstranten vor, die den abtretenden Präsidenten-General Lanusse mit Steinen und Stöcken angreifen wollten. Am gleichen Abend erzwangen Demonstranten durch einen Sturm auf ein Gefängnis die vorzeitige Entlassung aller politischen Gefangenen.

Campora kündigte an, daß Argentinien einen Kurs „zwischen Kapitalismus und Kommunismus“ steuern werde, der staatliche Eingriffe in die Privatwirtschaft und vor allem in die ausländischen Firmen vorsehe. Buenos Aires will diplomatische Beziehungen zu allen sozialistischen Ländern – auch Kuba – aufnehmen.

Zu den Ehrengästen gehörten der chilenische Präsident Allende und der kubanische Staatspräsident Dorticos.