Der SPD-Fraktionsvorsitzende Herbert Wehner berichtete vor dem Parteivorstand über seinen Besuch in Ostberlin:

„Er (Honecker) unterstrich die Erwartung, daß der Grundlagenvertrag baldigst in Kraft gesetzt werden kann. Seine strikte Einhaltung und volle Anwendung wird es ermöglichen, günstige Bedingungen für die Zusammenarbeit zwischen der DDR und der BRD zu schaffen, was dem Wohl der Menschen in beiden deutschen Staaten dient. Im Zuge der Normalisierung der Beziehungen zwischen der DDR und der BRD werden praktische und humanitäre Fragen gelöst, wie sie im Grundlagenvertrag vorgesehen sind.

Eine besondere Rolle werden die Abkommen spielen, die entsprechend diesem Vertrag auf dem Gebiet der Wirtschaft, der Wissenschaft und Technik, des Verkehrs, des Rechtsverkehrs, des Post- und Fernmeldewesens, des Gesundheitswesens; der Kultur und des Sportes, des Umweltschutzes und über andere beiderseits interessierende Fragen abzuschließen sind. Das wird eine neue, für die Beteiligten vorteilhafte Seite in der Herstellung gutnachbarlicher Beziehungen zwischen der DDR und der BRD aufschlagen.

Die Folge-Vereinbarungen, die sich aus dem Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen für wichtige Sachgebiete ergeben, sollen weiter bearbeitet und beraten werden, obwohl sich bedauerlicherweise aus der innerpolitischen Situation in der Bundesrepublik Deutschland Terminverschiebungen für das Inkraftsetzen des Grundlagenvertrages ergeben können Es ist ein positives Zeichen für die feste Absicht beider Seiten, den Vertrag selbst zur vollen Wirkung zu bringen, Sebald die für den Austausch der Urkunden erforderlichen Voraussetzungen gegeben sein werden, daß die von E. Honecker genannten Folge-Vereinbarungen, die auf einigen Sachgebieten schon von Experten beider Seiten beraten werden, nicht durch Terminverschiebungen ins Stocken geraten sollen. Sie bleiben allerdings an das Inkrafttreten des Grundlagenvertrages gebunden und sind Bestandteile der damit in Gang kommenden Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Staaten...“