Von Dieter Piel

Eine Szene aus dem Krankenhausalltag einer rheinischen Großstadt: Von zwei parallelen, dem gleichen medizinischen Fachbereich angehörenden Abteilungen des städtischen Krankenhauses, ist die eine ständig überbelegt, die andere aber verfügt fast immer über freieBetten.Die zweite ist der ersten Abteilung in ihren Leistungen keineswegs unterlegen. Im Gegenteil: Ihr Leitender Arzt hat es verstanden, die durchschnittliche Verweildauer seiner Patienten im Krankenhaus zu senken und dadurch mehr Kapazität als sein Kollege zu schaffen. Dennoch: Nicht sein Kollege, sondern er wird zum Oberstadtdirektor bestellt. Dieser tadelt ihn, weil der erste Beamte der Stadt übervolle Krankenhäuser für opportun hält. Sie untermauern seine Forderung nach höheren öffentlichen Mitteln für den Bau weiterer Krankenhausplätze.

Diese Szene hat sich nicht nach, sondern vor dem, Inkrafttreten des neuen Krankenhausfinanzierungsgesetzes zugetragen, das – so ein Werbespruch der früheren Bundesgesundheitsministerin Käte Strobel – „das gesunde Krankenhaus“ bringen soll. Denn das Gesetz, nach dem der Bund in diesem Jahr knapp 900 Millionen Mark und die Länder das Doppelte dieses Betrages für den Bau und die Ausstattung von Krankenhäusern aufbringen sollen, bringt zunächst einmal weder mehr noch wirtschaftlicher geführte Krankenhäuser. Vielmehr ermöglicht es, wie die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) betrübt notiert, den Krankenhäusern zunächst einmal, ihren „erheblichen Nachholbedarf“ zu decken und „frühere Lücken“ zu stopfen. Künftig sollen der Staat und die Patienten – die vom nächsten Jahr an nach der dann geltenden Bundespflegesatzverordnung die laufenden Kosten der Krankenhäuser bezahlen müssen – jenes Defizit tragen, das im vergangenen Jahr nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft fast zwei Milliarden Mark betragen hat.

Die Unbill, die dem von seinem Oberstadtdirektor gerüffelten Arzt widerfahren ist, macht nach Ansicht Erwin Odenbachs, des Vorsitzenden des Bundes der angestellten und beamteten Ärzte (Marburger Bund), deutlich: Prämiert wird von Steuerzahlern und Patienten die Zahl der erstellten Betten; sie heben das Prestige von Oberstadt- und Kreisdirektoren. Nicht prämiert aber werdendie „Durchgangsquote“ der Patienten und die Zahl der im Krankenhaus tätigen Fachärzte, an der sich zeige, ob ein Krankenhaus kooperativ oder autoritär geführt werde. Auch mit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz und der Pflegesatzverordnung, von denen niemand bestreitet, daß sie im Ansatz richtig sind, wird der Weg zum wirtschaftlichen Krankenhaus, so Odenbachs düstere Ahnungen, „noch sehr, sehr weit“ sein.

Für die Richtigkeit dieser Vermutung gibt es handfeste Indizien:

  • Viele Krankenhäuser werden teils zu aufwendig und teils auch nicht zweckmäßig gebaut.
  • Wirtschaftliche Unternehmensführung ist ihnen vielfach noch unbekannt.
  • Hierarchische Führungsstrukturen verprellen noch immer viele Fachärzte und verschlechtern damit noch die Kostensituation vieler Krankenhäuser.
  • Die Personalkosten, die nach Angabe der Deutschen Krankenhausgesellschaft rund 70 Prozent der Krankenhauskosten ausmachen, wachsen außerordentlich stark an.

Was den Bau von Krankenhäusern anbelangt, so stören den Kritiker Odenbach immer wieder die „gestalterischen Orgien der Architekten“. Weniger Marmor, weniger Schmiedeeisen und statt dessen eine wirtschaftlich vernünftigere, womöglich standardisierte Bauweise – damit könne man schon einige Kosten vermeiden. Doch Odenbach, der Krankenhausbauten in der Form eines „H“ empfiehlt, bei denen die wichtigsten Fachabteilungen an den Enden untergebracht und notfalls ohne besondere Belastung der übrigen Teile erweitert werden könnten, findet sich durch die Praxis nicht unterstützt.