Europa ist um eine Monarchie ärmer: Die Athener Offiziersjunta hat Griechenland zur Republik ausgerufen. In den Kirchen wird nicht mehr für den König und seine Familie gebetet. Der 33jährige Konstantin wurde aller Privilegien und Begünstigungen entkleidet, auch seine Apanage – jährlich zwei Millionen Mark – ist ihm gestrichen worden. Überall im Lande wird die Krone durch das Phönix-Symbol des Regimes ersetzt, werden die Photos König Konstantins und seiner Königin Anna-Maria abgehängt und gegen Papadopoulos-Aufnahmen vertauscht.

Niemand, der Hellas und seine jüngste Geschichte kennt, wird annehmen können, daß die Abschaffung der Monarchie die Mehrheit der Hellenen wirklich im Innersten Mehrheit Die Griechen haben ihren Monarchen – erst dem 1832 aus München importierten Otto von Bayern, nach 1864 seinen Nachfolgern aus Glücksburg – immer nur labile Loyalität gezollt. „Meine Stärke ist die Liebe des Volkes“, war das Motto des Athener Königshauses. Diese Liebe jedoch ist durch die Jahrzehnte stets sehr wankelmütig gewesen. Georg II., als er wieder einmal im Exil saß, pflegte die Frage nach seinem Beruf so zu beantworten: „Ich bin König, wenn es mein Volk mir erlaubt.“

Otto wurde 1862 von putschenden Offizieren aus dem Lande gejagt. Den ersten Glücksburger, Georg I., erschoß 1913 ein Geisteskranker; sein Sohn, Konstantin I., mußte 1917 abdanken, wurde 1920 wiedergeholt und 1922 abermals abgesetzt. Ein Jahr später wurde auch Georg II. verjagt, 1924 schließlich nach einer Volksabstimmung die Republik ausgerufen. Zwar wurde der zweite Georg 1935 zurückgebeten, mußte aber während des Krieges ins Exil. Nach der Befreiung Griechenlands blieben die Royalisten nach bitterer Kontroverse Sieger; 1947 trat König Paul die Nachfolge seines Bruders an, an seiner Seite Königin Friederike, die Tochter des Herzogs Ernst August zu Braunschweig.

Die Dynastie galt nie als wirklich griechisch; im Lande schlug sie nicht recht Wurzeln; dem Volke gegenüber fehlte ihr gerade seit dem Zweiten Weltkrieg eine glückliche Hand. Typisches Beispiel: Als sich Prinzessin Sophia mit dem spanischen Thronfolger Juan Carlos vermählte, wurde allen Arbeitnehmern zwar von Amts wegen 20 Prozent der Ostergratifikation einbehalten, aber kein Parlamentsabgeordneter wurde zum Fest ins Schloß geladen, nicht einmal der Athener Bürgermeister.

Doch nicht daran ist die griechische Monarchie – und letztlich auch seine Demokratie – zugrunde gegangen, daß der Hof abseits vom Strom des nationalen Lebens stand. Der eigentliche Grund lag darin, daß die Athener Monarchen Europas letzte Könige zu sein trachteten, die zugleich herrschten und regierten.

Das galt für König Paul, aber auch für Königin Friederike – eine kluge, energische Frau, die in den Jahren des Wiederaufbaus vieles für ihr Land getan hat, deren unbändiger Ehrgeiz sie aber immer wieder dazu verleitete, sich per Hofintrige in den politischen Prozeß einzumischen. Es galt erst recht für Konstantin, der den Einflüssen seiner Mutter auf fatale Weise erlag.