Hervorragend:

„Die letzte Vorstellung“ von Peter Bogdanovich, der sich mit William Friedkin („French Connection“) und F. F. Coppola („Der Pate“) zum hoffnungsvollsten Dreigestirn des wiedererstarkten Hollywood vereinigte. Anarene in Texas, 1951; Petting und erste Liebe, Koreakrieg, die Fernsehkultur beginnt, das letzte Kino im Kaff macht zu mit „Red River“. Die Topographie einer Zeit, eines Alters, einer Gegend und einer Hollywood-Ära wird beschworen, Howard Hawks nachdrücklich geehrt, die Atmosphäre der beginnenden fünfziger Jahre realistisch und unsentimental rekonstruiert. Ein schöner, sensibler, melancholischer Film, Schlüsselwerk des amerikanischen Nostalgie-Kinos, das bei uns mindestens ein Jahr zu spät anläuft. WD

„Atalante“ von Jean Vigo. Juliette, gerade der engen Welt des Dorfes entkommen, träumt von Paris und fühlt sich auf dem Schlepper Atalante, mit dem sie und Jean ihre Hochzeitsreise antreten, eingesperrt. Sie läuft davon, aber die Begegnung mit der Großstadt zerstört ihre Träume. Vigo hält das Gleichgewicht zwischen kratzbürstigen, idyllischen und brutalen Momenten; sein magischer Realismus gibt jedem Detail auf dem Schiff sein Geheimnis, seine Geschichte. „Atalante“ läuft zusammen mit der berühmten Schülerrevolte „Zéro de Conduite“ in den „Lupe“-Kinos. EKP

„Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ von Luis Buñuel. „Getaway“ von Sam Peckinpah.

Im Fernsehen: „Atalante“ (Frankreich 1934) und „Taris, König des Wassers“ (Frankreich 1931) von Jean Vigo (West III 9. Juni). „Der Abenteurer“ und „Die Bank“ (USA 1917 und 1915) von Charles Chaplin (Nord III 10. Juni). „Tisch und Bett“ (Frankreich 1970) von François Truffaut (Bayern III 10. Juni). „Perlen zum Glück“ (USA 1936) von Frank Borzage (Bayern III 13. Juni). „Das Biest muß sterben“ (Frankreich/Italien 1969) von Claude Chabrol (West III 13. Juni).

Sehenswert:

„Soul to Soul“ von Denis Sanders, der mit zehn Kameraleuten, aber ohne die in Musikfilmen gängigen Mätzchen das Konzert amerikanischer Soulmusiker in Ghana 1971 spontan und direkt dokumentiert. Selbst die Aufnahmen vom Sightseeing der Musiker verkommen nicht zur Unverbindlichkeit, sondern betonen jene Distanz, die Ike und Tina Turner, Les McCann und Eddie Harris, Roberta Flack und Wilson Pickett mit ihrer Musik zu überwinden suchen. Deplaziert wirkt nur die Gruppe Santana, die sich in verkrampfte Exaltation flüchtet. WOR