Mehr ein Erfolg für Pompidou als für Nixon, im übrigen aber geringe Ergebnisse – diese Bilanz zieht die Weltpresse aus dem zweitägigen Treffen zwischen dem französischen und dem amerikanischen Präsidenten am vorigen Donnerstag und Freitag in Island. Das sichtbarste Resultat ist eher negativ: Der von Bundeskanzler Brandt in Washington ins Spiel gebrachte Vorschlag einer europäisch-amerikanischen Gipfelkonferenz – von Nixon und seinem außenpolitischen Berater Kissinger aufgegriffen – wurde auf die lange Bank geschoben. Nixon will aber zu zweiseitigen Begegnungen im Spätherbst nach Europa reisen.

Grund für die französische Zurückhaltung gegenüber spektakulären Zusammenkünften der Staats- bzw. Regierungschefs sind teils Unterschiede in der Beurteilung, teils Unklarheiten über die zukünftigen atlantischen Beziehungen auf dem Gebiet der Sicherheitspolitik sowie der Handels- und Finanzfragen. An den vorbereitenden Gesprächen über beiderseitig ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR) in Wien nimmt Frankreich überhaupt nicht teil; andererseits liegt Nixons Handelsgesetz, das über die weiteren europäischen Exportmöglichkeiten entscheiden wird, im Kongreß auf Eis.

Die beiden großen Komplexe – Sicherheit und Ökonomie – sollen bis zum Besuch Nixons innerhalb der Allianz von Sachverständigen beraten und vorangetrieben werden. Auch dies ist ein Erfolg Pompidous, denn Kissinger hatte noch am Vorabend des Island-Treffens erklärt, die Verteilung dieser Sachbereiche auf verschiedene Gesprächsebenen und ihre Behandlung durch Spezialisten sei der sicherste Weg, die Allianz zu ruinieren.

Die Atmosphäre der zweitägigen Begegnung in Reykjavik war dennoch gut. Ein Sprecher des Weißen Hauses nannte die Gespräche „sehr warm und konstruktiv“. Pompidou ergänzte: „In den großen Problemen ist unsere Ubereinstimmung viel größer als unsere Divergenz.“