Mit dem Absturz des Überschallpassagierjets vom Typ TU-144 am letzten Tag der Pariser Luftfahrtschau mußten die Sowjets einen Rückschlag bei ihren Bemühungen um West-Kunden hinnehmen. Schon seit Jahren versuchen die Russen mit Fluggesellschaften westlicher Staaten ins Geschäft zu kommen. Bis jetzt hatten Sie damit nur wenig Erfolg.

Obwohl die Flugzeugexporteure aus Moskau eine ganze Skala unterschiedlicher Flugzeuge anbieten – vom Hubschrauber „über das Turboprop-Flugzeug IL-18 bis zum Langstreckenjet IL-62 –, fand nur ein Jet-Typ Gnade bei den kritischen Käufern.

Die Hamburger General Air hat in Moskau drei Minijets vom Typ Yak-40 (27 Passagiere) gekauft. Seit zehn Monaten sind sie im innerdeutschen Linienverkehr eingesetzt. Zwei Flugzeuge desselben Typs fliegen für eine italienische private Fluggesellschaft, und die griechische Olympic Airways testete vor einigen Wochen die Yak-40 auf ihre Brauchbarkeit im Inlanddienst.

Auch die TU-144 wollen die Sowjets an westliche Gesellschaften verkaufen. Sie offerierten den überschallschnellen Vogel bereits vor Jahren über Anzeigen in amerikanischen Zeitungen zum Kauf. Vor vier Jahren besichtigten Vertreter der großen amerikanischen Liniengesellschaft PanAm zum erstenmal das schnelle Flugzeug.

Aber auch für das französisch-britische Gemeinschaftsprojekt Concorde kann der Absturz der TU-144 negative Folgen haben. Die englische Wirtschaftszeitung Financial Times befürchtet, daß die Gegner des ÜberschallVerkehrs neuen Zulauf bekommen könnten. Und solange die Sowjets keinen eigenen Überschall-Jet im Einsatz haben, werden sie den Concorde-Käufern Air France und British Airways den gewünschten Überschall-Korridor nach Japan sicherlich nicht öffnen wollen. ei