Zum zweitenmal in seiner neueren Geschichte hat Griechenland die Monarchie abgeschafft. Ministerpräsident Papadopoulos rief am vorigen Freitag die Republik aus und erklärte den im römischen Exil lebenden König Konstantin aller Rechte für verlustig. Der Monarch, der am folgenden Tage 33 Jahre alt wurde, nannte diesen Schritt illegal.

Dem Herrscherhaus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, aus dem der König stammt, war dieses Geschick in den 110 Jahren seit Begründung der Dynastie in Griechenland schon einmal widerfahren. Revolutions-Unruhen hatten Konstantins Onkel Georg II. 1923 zur Abdankung gezwungen. Doch kehrte er nach zwölf Jahren republikanischen Zwischenspiels 1935 auf den Thron zurück.

Die Würfel in Athen fielen jetzt genau eine Woche nach dem mißglückten, aber für das Militärregime prestigeschmälernden Putsch royalistischer Offiziere und dem Asylgesuch des Zerstörerkommandanten Pappas in Rom.

In seiner Proklamation behauptete Ministerpräsident Papadopoulos, der seit sechs Jahren regiert, der König habe einen neuen Staatsstreich „gegen die Revolution und die Ruhe des griechischen Volkes“ vorbereitet. Er sei in die jüngste Affäre verwickelt gewesen und habe sich durch sein Verhalten in den neun Jahren seit der Thronbesteigung selber um seine Rechte gebracht. Konstantin war Ende 1967 nach einem mit seiner Beteiligung unternommenen und gescheiterten Gegenputsch ins Exil gegangen,

Papadopoulos verstieß jetzt seinerseits gegen die von der Militärjunta errichteten Verfassung, als er sich zum vorläufigen Präsidenten der Republik proklamierte. Denn Artikel 137 der Konstitution von 1968 legt fest, daß „die Demokratie unter der Krone“ nicht vor 1978 zur Diskussion gestellt werden dürfe.

Der einstige Oberst, dessen Herrschaft völlig gesichert erscheint, versprach dem Volk Parlamentswahlen „bis Ende 1974“. Zuvor sollen die Hellenen bis spätestens zum 19. Juli 1973 über eine neue Verfassung abstimmen. Griechenland soll eine „Präsidialdemokratie“ werden.

Konstantin verlas in Rom eine Botschaft, wonach er mit dem Putsch nichts zu tun gehabt habe. Er identifizierte sich aber mit dem Kampf um die Wiederherstellung der Demokratie in Griechenland und gab sich überzeugt, „als Garant der Freiheit“ dorthin zurückzukehren.