Den Reedern soll der Aufenthalt ihrer Schiffe in einem europäischen Häfen „so unangenehm wie möglich gemacht werden“. So lautet das Fazit einer Konferenz, zu der sich Mitglieder der internationalen Transportarbeitergewerkschaft (ITF) aus sieben europäischen Ländern in Hamburg trafen. Anlaß zu diesem Treffen war der Ärger deutscher Kollegen. Die Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) ist über die Reeder erbost, weil sie es immer noch ablehnen, Heuertarife für ihre Seeleute mit gewerkschaftlicher Mithilfe auszuarbeiten.

Um die widerspenstigen Reeder an den Verhandlungstisch zu zwingen, sollen, in Zukunft ihre Schiffe in London, Amsterdam oder Kopenhagen boykottiert werden. Etwa in einer Woche, so heißt es dazu in der ÖTV-Zentrale in Hamburg, müssen die Schiffsbesitzer mit ersten Maßnahmen rechnen.

Ohne die Unterstützung ihrer ausländischen Kollegen wären die deutschen Gewerkschaftler nicht in der Lage, die Reeder das Fürchten zu lehren. Denn anders als in den skandinavischen Ländern, in England oder Holland dürfen deutsche Hafenarbeiter nicht aus Sympathie zu den Seeleuten in Streik treten. Nach deutschem Streikrecht dürfen sich Dritte nicht in die Auseinandersetzung zwischen zwei streitenden Tarifparteien einmischen.

Stolz verweist man in Hamburg darauf, daß in der Londoner ITF-Zentrale ein hauptamtlicher Sekretär eingestellt wurde, der sich ausschließ teil um den Streit zwischen ÖTV und der nicht tarifgebundenen Reedern kümmern soll.

Bei den Reedern sieht man der Zukunft allerdings gelassen entgegen. In der Tat haben sich in der Vergangenheit ähnliche Solidaritäts-Kundgebungen als unwirksam entpuppt. Trotz aller Sympathie zu den ausländischen Kollegen begnügten sich in der Vergangenheit die inländischen Hafenarbeiter mit mündlichen Protesten.

Auch dieser Boykottandrohung geben die betroffenen Reede deshalb nur eine geringe Chance. Die Zahlen sprechen für die Skepsis: Die Reeder, die über die Tarifgemeinschaft im Verband Deutscher Reeder (VDR) Heuerarife mit der Gewerkschaft ÖTV abgeschlossen haben, besitzen rund 75 Prozent der deutschen Hochseetonnage. Einige der Reeder, die nicht dieser Gemeinschaft angeschlossen sind, zahlen ihren Seeleuten die von der Gewerkschaft abgesegneten Löhne und Gehälter. Bei den restlichen Reedern handelt es sich meist um Heine Betriebe, die oft nur ein Schiff besitzen. kde