Dieser Schauspieler – klein, düster-eifrig, beflissen – beugt im Foyer seinen Rumpf vor: ob ich die Bilder und Kritiken von seiner Premiere erhalten habe? Auf den Treppen zum Zuschauerraum breitet er die Arme aus: Aa welches Theater soll ich gehen?

Der Autor steht milde im Foyer, freundlich lächelnd, wie in all den Jahren, die ihr kennt. Er hat die Hemdsärmel aufgekrempelt. Um seit Stück zu befördern?

Platz nahm ich, sechste Reihe in der Riesenmuschel Schauspielhaus, neben dem Haus-Bühnenbildner. Die Dekoration ist ausnahmsweise nicht von Ihnen? entnahm ich dem Programmheft. Sein Lächeln war innig, aber es hielt beunruhigend an.

„Was heißt hier Volsinii?“ von Peter Rühmkorf. Buchausgabe Rowohlt Verlag 1971. Die Premiere im Deutschen Theater in Berlin (DDR) wurde über ein Jahr lang angekündigt, fand aber nicht statt. Nun also im Düsseldorfer Schauspielhaus. Untertitel: „Bewegte Szenen aus. dem klassischen Wirtschaftsleben.“

Volsinii, eine anscheinend früh untergegangene etruskische Stadt, hat Rühmkorf, als er 1964 in die römische Villa Massimo per Stipendium verschickt wurde, als Amateur-Archäologe und Leser vergilbter Bücher für sich ausgegraben.

Doch was heißt hier Volsinii? Gemeint ist eine ironische Gemengelage aus frühhistorischem Material und pointierter Aktualität, wobei die Schichten sich Satz für Satz, Anspielung für Anspielung durchdringen. Volsinii soll also auch heißen: Düsseldorf.

Bewegte Szenen: Tücher wehen über die Bühne, werden hochgezogen und quer über sie gebreitet, aufgepustet. Die Bühne dreht sich, es wird gegen die Drehung angeschritten, mit ihr rumgefahren. Eine große Bühne, hell, umstellt von hellem kalkbespritzen Rupfen. In der Mitte eine Aufschichtung von umschnürten Leinwandpaketen, mindestens vier Meter hoch, zwölf breit. Sie wurden umgeschichtet, abgewandelt, teilweise umgestürzt, schließlich gegen Ende – das Volk ergreift vorübergehend die Macht und schafft erst mal Ordnung – säuberlich zu einem Quader zusammengestapelt. Aber dann, die Bankiers, Unternehmer, die Patrizier von Volsinii haben sich mit den römischen Aggressoren arrangiert, das Volk wird ausgehungert, besiegt – am Ende bedeckt ein blau-rot gemustertes Riesentuch (das römische) den Paketberg Volsinii. Er versinkt bei Kinomusik (Peer Raben) in einem Riesenloch im Bühnenboden. Nun bin ich doch auf die gerisseneinfallsreiche, auf die „schöne“ Bühne von Bert Kistner reingefallen.