Neu in Museen und Galerien

Hamburg Vom 14. bis zum 16. Juni, Dr. Ernst Hauswedell & Ernst Nolte: „Moderne Kunst“

Die deutschen Versteigerer wollen das Geschäft in Richtung auf die aktuelle Kunst erweitern. Das gilt für München ebenso wie für die Frühjahrsauktion in Hamburg. Da wird die ganze amerikanische Prominenz angeboten: Rauschenberg, Jasper Johns, Indiana, Lichtenstein (die komplette Folge der „Ten landscapes zum Schätzpreis von 15 000 Mark), Warhol (mit „Jackie“ für 3000 Mark), Oldenbourg (eines seiner Kuchenstücke für 7500 Mark). Auch Daniel Spoerri ist mit einer seiner neuesten Düsseldorfer Tischplatten (3000 Mark) bereits auktionsfähig geworden. Eine zertrümmerte Violine von Arman soll 22 000 Mark bringen. Lukratives Rückgrat der Hamburger Versteigerung bildet allerdings nach wie vor die klassische Moderne: Nolde mit zwei Gemälden („Landschaft mit Regenwolke“ von 1925 für 180 000 Mark und „Leuchtende Sonnenblumen“ von 1936 für 150 000 Mark) und einem Dutzend Aquarellen (zwischen 10 000 und 60 000 Mark); bei der Nolde-Graphik soll die „Tänzerin“ von 1913 den Rekordpreis von 55 000 Mark erreichen. Bilder von Heckel, Schmidt-Rottluff, Jawlensky („Landschaft bei Oberstdorf“ von 1912) und Chirico („Pittori di Paesaggio“ von 1929) gehören in die Preisklasse um 100 000 Mark. Von Barlach werden drei seiner wichtigsten Bronzen angeboten, „Das Wiedersehen“, „Singender Klosterschüler“ und das „Vergnügte Einbein“, dazu etwas Rares und Überraschendes, eine seiner Simplizissimus-Karikaturen: „Kohlenbarons Weihnachtstraum“. Auch Feininger ist, außer mit klassischen Aquarellen, mit einer Karikatur für die „Lustigen Blätter“, einer lavierten Federzeichnung von 1898 vertreten. Interessant und selten auf Auktionen: plastische Arbeiten der großen deutschen Maler. Von Kirchner wird eine bemalte Holzplastik (für 90 000 Mark), von Franz Marc ein postum gegossener weiblicher Torso (22 000 Mark), von August Macke ebenfalls eine Bronze (die „Sitzende“ um 1912, 10 000 Mark) angeboten.

Gottfried Sello

München Bis zum 16. Juni, Galerie Buchholz: „Filliou“

Vom Talent hat Robert Filliou keine allzu hohe Meinung, er glaubt an das menschliche Genie, das durch schöpferische Tätigkeit sich ausweist – die Gründung eines Instituts für permanente Kreativität (die Pläne für das „Poipoidrom“ waren auf der documenta 5 zu sehen) ist ebenso von diesem romantisch-utopischen Gedanken her zu verstehen wie die Proklamation der „genialischen Republik“, deren Territorium vorläufig allerdings nur einen südfranzösischen Bauernhof mit zweieinhalb Hektar Land umfaßt. Fillious „Werkzeugkasten für die andauernde Schöpfung“ enthält, „die beiden grundlegenden Werkzeuge, die jedermann braucht, zu allen Zeiten seines Lebens, um fortwährend schöpferisch zu sein – ‚Innocence‘ (zu übersetzen wohl mit: Naivität) und ,Imagination‘“ (Filliou). Aus der Annahme der andauernden Schöpfung hat Filliou das „Prinzip der Äquivalenz“ abgeleitet – Gemachtes und Gedachtes werden gleichwertig. Von daher gesehen, ist es einerlei, ob etwas „gut gemacht“, „schlecht gemacht“ oder „nicht gemacht“ ist. Auf diese Weise besitzt Filliou eine ziemlich unangreifbare Position: Eine Reihe von Porträts, „George“ (Brecht), „Diter Rot“, „Selbstporträt nach Photo“, „Homo S.“ („sapiens“ oder „stultus“?), die er „nicht gemacht“ hat, kann der Betrachter durchaus für „gut gemacht“ ansehen, dafür aber einige der „Denk“-Schachteln, die der Künstler für „gut gemacht“ hält, als „schlecht gemacht“ einstufen – alles ganz nach Belieben. Wie immer man zu Fillious Ideen stehen mag, er hat zumindest welche. Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen