Die Erfolgsmeldung ist eine Überraschung, wenn auch eine unangenehme: Die Ölförderländer im Nahen Osten sind sich wieder einmal mit ihren ewigen Widersachern, den Mineralölkonzernen, einig geworden. Doch zum Jubel besteht kein Grund; denn das Ergebnis der in Genf unterzeichneten Abmachung sind höhere Rohölpreise.

Nach der Dollarabwertung im Februar reklamierten die elf Mitglieder des OPEC-Kartells (Organization of Oil Exporting Countries) Preiserhöhungen für ihren weltweit begehrten Exportartikel. Der einsichtige Grund für diese Forderung: Da die Lieferverträge in amerikanischer Währung abgeschlossen werden, bringt jede Dollarabwertung den ölherren einen Währungsverlust. Die Dollarabwertung von zehn Prozent wird jetzt durch eine Verteuerung des Rohöls um 11,9 Prozent wettgemacht.

Seit April wurde erbittert verhandelt, die Konzerne hatten sich schon auf einen Alleingang der OPEC eingestellt. Die Einigung von Genf ist aber weniger ein Sieg der Vernunft als ein Erfolg der Ölländer. Sie setzten sich nämlich ungehindert über eine Vereinbarung hinweg, die bereits im Januar 1972 für den Fall von Dollar-Abwertungen unterzeichnet worden war. Die Ölländer erklärten das gerade neun Monate alte Abkommen kurzerhand für wirkungslos, weil es nicht mehr ihren Interessen entspreche.

Der jüngste Genfer Pakt soll bis Ende 1975 gelten. Künftig wird der Rohölpreis automatisch an Kursänderungen der wichtigsten Währungen der westlichen Welt angepaßt. Auch gegen mögliche Floating-Schäden haben sich die Ölexporteure abgesichert. Sie beziehen ihren Ölpreis künftig nicht mehr auf den Dollar allein, sondern auf einen Index von zwölf Währungen, zu denen auch die Mark gehört. Einmal im Monat wird geprüft, ob der Ölpreis revidiert werden muß. Verhandlungen sind nicht mehr vorgesehen.

Die OPEC-Vertreter unterstrichen in Genf, daß das teurere Rohöl kein Alibi für teureres Benzin oder Heizöl sein könne. Seit der Dollar-Abwertung seien zumindest für den europäischen Markt die Importpreise gesunken, und diese Lücke werde nun wieder wettgemacht.

In Genf verdichteten sich auch Gerüchte, daß Libyen aus der gemeinsamen OPEC-Front ausscheren wird. Staatschef Kadhafi plant die totale Enteignung aller ausländischen Ölgesellschaften Davon wäre auch die Gelsenberg AG betroffen, die zu 35 Prozent an der Mobil Oil Libya-Gelsenberg beteiligt ist. smi