Das geschah: Der „haftpflichtversicherte“ Bürger beschädigte schuldhaft den Pkw eines anderen Bürgers, welcher nun klagt. Folge: die Haftpflichtversicherung des Schädigers war dem Kläger zum Ersatz des Schadens verpflichtet. Der Wiederbeschaffungszeitwert des beschädigten Wagens betrug 1400 Mark. Ein Sachverständiger ermittelte als voraussichtliche Reparatursumme 1857 Mark. Eine Werkstatt erklärte sich bereit, es für 1500 bis 1600 Mark zu machen. Einen Festpreis garantierte die Werkstatt nicht. Der Kläger entschloß sich zur Reparatur. Dazu bewog ihn: sein Wagen war „überdurchschnittlich gut“ erhalten und hatte einen Austauschmotor. Die Reparaturfirma machte es dann nicht unverbindlich billiger, sondern verbindlich teurer. Auf die Rechnung setzte sie 2500 Mark. Der Versicherung des Schädigers erschien das als unvertretbarer Luxus. Ihr letztes Wort: Zahlung des Wiederbeschaffungspreises von 1400 Mark.

Der Bundesgerichtshof entscheidet sich in der Revision für maximal 1600 Mark. Der Geschädigte, nach Bürgerlichem Gesetzbuch, kann vom Schädiger den zur Schadensbeseitigung „erforderlichen Geldbetrag verlangen“ (§ 249 Satz 2 BGB). Kann der Schaden auf mehrere Arten gleich gut beseitigt werden, so hat der Geschädigte regelmäßig den billigeren Weg zu wählen: Er hat den Schadensbetrag möglichst gering zu halten. Entschließt er sich trotzdem zur teureren Methode, so trägt er die Differenzsumme selbst. Kosten alle Wege der Schadensbeseitigung in etwa das gleiche, so kann der Geschädigte ohne Risiko wählen. Er kann „in solchem Fall selbst entscheiden, ob er sein Fahrzeug reparieren läßt oder ein anderes Fahrzeug erwirbt“. Ist die Ebenbürtigkeit zweier oder mehrerer Arten der Schadensbeseitigung nicht ohne weiteres gesichert, so ist „darauf abzustellen, ob vom Standpunkt eines verständigen Menschen aus die Reparatur oder die Ersatzbeschaffung das zweckmäßige und angemessene Mittel zur Behebung des Schadens“ ist.

Erscheint der vom Geschädigten gewählte Weg der Schadensbeseitigung vom Standpunkt eines „verständigen Menschen“ vertretbar, so sind die dafür entstandenen Kosten vom Schädiger auch dann zu tragen, wenn ein ebenfalls möglicher anderer Weg billiger gewesen wäre. Im konkreten Falle berücksichtigt das Gericht zugunsten des Klägers den überdurchschnittlich guten Zustand seines Wagens und den Austauschmotor.

Ergebnis richterlicher Abwägung: eine Reparatursumme von 1500 bis 1600 Mark hätte allenfalls als noch verhältnismäßig und damit zur Schadensbeseitigung erforderlich anerkannt werden müssen.

Dagegen verneint das Gericht, daß der Schädiger immer auch das Risiko einer wesentlichen Überschreitung des Kostenvoranschlags tragen müsse. Dieses Risiko sei ihm jedenfalls dann nicht zuzumuten, wenn schon der Kostenvoranschlag eine Summe ergäbe, die über den Wert des Fahrzeugs hinausgehe. In diesem Falle ist das Risiko, „daß durch die Instandsetzung unverhältnismäßige Kosten entstehen“, klar erkennbar. Entschließt sich der Geschädigte trotzdem ohne Befragung des Geschädigten oder seiner Versicherung zur Reparatur, so trägt er das Risiko einer unverhältnismäßig hohen Reparatursumme selbst. Schon den vom Sachverständigen geschätzten Reparaturpreis von über 1800 Mark, erst recht aber die tatsächliche Reparatursumme von 2500 Mark erscheinen den Bundesrichtern „unverhältnismäßig“ hoch. (BGH VI ZR 61/71) -ph