Minderheiten-Gerechtigkeit an amerikanischen Universitäten: seltsam und schwierig

Von Georg Hermann

Ist es das milde Klima, der technologische Vorsprung oder die Unbeschwertheit von Tradition – an der amerikanischen Westküste ist der Pioniergeist noch nicht erloschen. Der neueste Vorkämpfer heißt Marco DeFunis und ist 24 Jahre alt. Vor zwei Jahren unterzog er sich zusammen mit 16 000 Abiturienten der Aufnahmeprüfung für die juristische Fakultät der Washington-Universität in Seattle. Obwohl er unter den eintausend Besten war, wurde er abgewiesen: weil nur 150 Studenten aufgenommen werden konnten, meinte die Universität bedauernd; weil er nicht die richtige Hautfarbe hätte, meinte der junge Marco.

Er wandte sich ans Gericht. Und das befand, es liege ein klarer Fall der Rassendiskriminierung vor, und ordnete an, ihn aufzunehmen. Die Universität appellierte an das Obergericht, und im Frühjahr dieses Jahres entschied die zweite Instanz, daß Marco die Universität verlassen muß: es sei nicht die Rasse, sondern die beschränkte Platzanzahl gewesen, die seine Abweisung verursacht habe.

Doch Marco gab nicht auf; er reichte im Mai eine neue Berufung ein, diesmal beim Obersten Gericht der Vereinigten Staaten. Man habe ihn, so klagte er, aus rassischen Gründen abgewiesen; weit schwächere Kandidaten mit der richtigen Rassenzugehörigkeit seien akzeptiert worden, er könne ja nichts dafür, daß er mit der falschen Hautfarbe geboren sei – nämlich mit der weißen.

Neger, Chicanos und Frauen

Marco DeFunis ist das neueste Versuchskaninchen eines Teils der Professoren in ihrem erbitterten Kampf gegen die Herstellung des Rassengleichgewichts an den amerikanischen Hochschulen.