Mit der Aufwertung der Mark um 5,5 Prozent reagierte das Bundeskabinett am Freitag unerwartet rasch auf spekulative Devisenzuflüsse europäischer Währungen, mit denen die Mark in einem Block fester Relationen zueinander und freier Wechselkurse zum Dollar verbunden ist.

Die Bundesbank hatte in den letzten Tagen Devisen für vier Milliarden Mark aufkaufen müssen, da die Kursschwankungen gegenüber Frankreich, Holland, Belgien, Luxemburg, Dänemark, Norwegen und Schweden 2,25 Prozent des amtlichen Mittelkurses nach oben und unten nicht überschreiten dürfen.

Infolge der großen Stützungskäufe wurde die Geldmenge in der Bundesrepublik stärker erhöht, als es den Stabilitätsbemühungen zuträglich ist. Bundesbankpräsident Klasen schlug daher gemeinsam mit Bundesfinanzminister Schmidt eine Aufwertung vor, die die zweite in diesem Jahr ist (11. März: drei Prozent) und die fünfte insgesamt.

Schmidt machte kein Hehl daraus, daß die europäischen Partner einen geringeren Aufwertungssatz bevorzugt hätten. Anderseits werden ihre Einfuhren in die Bundesrepublik erleichtert. Die westdeutschen Urlauber können billiger reisen. Die deutschen Exporte werden hingegen erschwert. In die Länder des Währungsblocks gehen immerhin mehr als 42 Prozent aller bundesdeutschen Ausfuhren.

Nachdem der Wechselkurs gegenüber dem Dollar im März freigegeben und damit der bisherige Dollar-Leitkurs außer Kraft gesetzt worden war, traten sogenannte Sonderziehungsrechte (SZR) an seine Stelle. Seit Freitag lautet der neue Leitkurs der Mark 0,310580 SZR. Die bisherige Schwankungsmarge von 2,25 Prozent wird beibehalten.

Noch einen Tag vor der Aufwertung hatte Schmidt die geplanten Maßnahmen energisch in Abrede gestellt. Auf die Anregung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, die Mark aufzuwerten, hatte der Minister verärgert reagiert: Man solle diesen Instituten die öffentlichen Gelder sperren. Sie müßten endlich aufhören, sich mit Empfehlungen in die Wirtschafts- und Währungspolitik einzumischen. Für diesen Ausfall hat sich Schmidt inzwischen entschuldigt. Der Leiter des Instituts, Professor Giersch, war jahrelang einer der „Fünf Weisen“, die für die Bundesregierung Gutachten zur Wirtschaftslage erstellen.

Am Montag w;urde der österreichische Schilling um 4,8 Prozent aufgewertet.