Im Juni hat sich die Abwärtsbewegung der deutschen Aktienkurse fortgesetzt. Hohe Zinsen, die noch einmal verknappte Liquidität sowie revidierte Gewinnerwartungen waren die Hauptgründe für die Schwäche. Typisch für die gegenwärtige Situation ist, daß sich die Anleger zur Zeit für die sogenannten „Kennzahlen“ kaum interessieren. Mit dem Hinweis auf extrem niedrige Kurs-/Gewinn-Verhältnisse lassen sich Kaufaufträge bei der Kundschaft nicht mehr herauskitzeln. Ausschlaggebend für den Eingang von Kauforders ist allem die jeweilige markttechnische Situation. Liegt ein Papier überdurchschnittlich schwach, ohne daß dafür besondere Gründe erkennbar werden, ist mancher mutige Anleger auch heute noch bereit, „ein paar Mark zu riskieren“. Natürlich in der Hoffnung, rasch einen Kursgewinn mitnehmen zu können.

Von solchen „raschen Käufen“ profitierten im daß die Bank-Aktien, bei denen man meinte, daß sie keineswegs so schlecht seien wie ihre Kurse. Aus ähnlichen Gründen wurden auch Warenhaus-Aktien erworben. Daß die angesichts Aktie einen Schaffung nahm, war deutschen der Pläne zur Schaffung eines großen deutschen Ölkonzerns zu erwarten. Zweifellos könnten in diesem Papier noch etliche Kursreserven stecken. Doch bis sie realisiert werden, dauert mit Sicherheit noch längere Zeit. Gegenwärtig ist der Berufshandel dabei, Zwischengewinne langfristig len. Die hohen Zinsen verbieten es, langfristig gute Chancen auf Kredit zu erwerben.

Für eine Ernüchterung sorgte der angekündigte Dividendenausfall bei Phoenix-Gummi. Er zeigt den Ernst der Lage, in den die deutsche Reifenindustrie geraten ist. Zu meistern ist sie nur durch eine Zusammenfassung aller Kräfte, also durch eine arbeitskräftesparende Fusion. Davon sind wir jedoch wohl noch weit entfernt. In diesem Zusammenhang ist es interessant zu beobachten, daß von Zeit zu Zeit die Kaufneigung für Conti-Gummi-Aktien aufflammt. Die relativ großen Umsätze lassen darauf schließen, daß es sich keineswegs nur um Zufallsgeschäfte handeln kann. Deshalb sind viele Börsianer der Ansicht, man müsse Conti-Gummi-Aktien zum jetzigen Kurs „durchhalten“, auch wenn sich dieser von der Gewinnsituation des Unternehmens schwerlich rechtfertigen läßt.

Einen Kurssturz erlitten die Linde-Aktien. Er geht über die sonst in der Maschinenbau-Branche üblichen Kurseinbußen hinaus und ist sicherlich nicht nur auf die laufende Kapitalerhöhung zurückzuführen, sondern auch auf den unglückseligen Beschluß der Aktionäre, sich selbst in der Ausübung ihres Stimmrechtes zu beschränken. Die Opposition reichte nicht aus, um den Verwaltungsvorschlag zu Fall zu bringen. K. W.