Von Günter D. Roth

Jeden Montag um neun Uhr begibt sich eine Gruppe von Lehrlingen ins Büro ihres Ausbildungsleiters – zum gemeinsamen Fernsehen. Denn zwanzig Minuten nach neun beginnt im Studienprogramm des Bayerischen Rundfunks „ihre Sendung“. Eine halbe Stunde lang sitzen sie vor dem Fernsehgerät, vor sich eine grüne Plastikmappe mit dem schriftlichen Begleitmaterial für „tele-BERUF“, das Programm des Bayerischen Rundfunks für Auszubildende.

Schon seit Mitte April sehen die jungen Nachwuchsleute das dritte Trimester mit dem Titel „Sozialkunde“. Das Unternehmen hatte sich im Herbst 1972 entschieden, den Versuch mit „tele-BERUF“ zu wagen. Mit den Trimestern „Betriebskunde“ und „Volkswirtschaft“ fing es an.

Der Höhepunkt der Montagvormittag-Veranstaltung ist immer die Diskussion nach der Sendung. Im Trimester „Sozialkunde“ gibt es eine Reihe von heißen Themen, die den Ausbilder bei der Diskussion mehr als einmal in Bedrängnis bringen. Doch Prokurist B. hat gute Erfahrungen mit dem Fernsehprogramm für Lehrlinge gemacht: „So lernen die Auszubildenden viel mehr von der Wirklichkeit der Arbeitswelt und Gesellschaft kennen, als das in einem Ausbildungsbetrieb in der Regel möglich ist.“

Der Bayerische Rundfunk hat die Lehrlinge schon 1971 entdeckt. Der erste Durchgang der „tele-BERUF“-Grundstufe begann im Januar 1971. Ein Angebot, „das Betrieben und Berufsschulen, aber auch den gewerblich und kaufmännisch Auszubildenden helfen soll, die erhöhten beruflichen Bildungsaufgaben zu bewältigen“ – so der Bayerische Rundfunk.

Der verantwortliche Projektgruppenleiter, Konrad Falter, präzisiert: „Wir wollen mithelfen, jungen Leuten das Rüstzeug zu geben, sich in ihrer Arbeitswelt zurechtzufinden. Fertigkeiten vermittelt der Betrieb besser. Aber wichtige Zusammenhänge aufzuzeigen, die vor Ort nicht erläutert werden können, das ist die Aufgabe von ‚tele-BERUF‘.“

Der Sechs-Trimester-Fernsehkurs ist kein Alleingang von Fernsehredakteuren. Von der ersten Stunde an haben Kammern, Gewerkschaften, Arbeitgeberverband und Rationalisierungskuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW) mitgewirkt. Die Lehrlinge selbst stehen vor der Kamera. Sie sind mit Begeisterung bei der Sache und helfen mit, ein Programm mit Lehrlingen für Lehrlinge zu machen. Es wurde eine Menge Geld und gute Absicht investiert. Trotzdem könnte die Beteiligung in den Betrieben und Berufsschulen größer sein. Besonders Ausbilder bleiben auf Distanz.