Der Streit zwischen der Bundesregierung und den Fluglotsen geht in die entscheidende Runde. Verkehrsminister Lauritzen hat ein Ultimatum gestellt: Wenn die Fluglotsen nicht bis zum 7. Juli ihren Bummelstreik eingestellt haben, sollen sie für die entstandenen Schäden zur Kasse gebeten werden.

Dieses Ultimatum kommt reichlich spät. Unerträglich war dieser sogenannte Streik schon lange. Tausende von Flügen sind inzwischen annulliert worden; der Schaden geht in die Millionen. Hunderttausende von Passagieren haben in brütender Hitze auf den Flughäfen und in den Maschinen warten müssen – ohne zu wissen, wann und ob sie ihr Ziel erreichen.

Gewiß, man mag der Bundesregierung vorwerfen, sie habe die Streikdrohung nicht ernst genug genommen, und man mag sie auch dafür tadeln, daß ihr Verhalten gegenüber den Fluglotsen von Widersprüchen nicht frei war. Aber all diese Versäumnisse sollten nicht den Blick für das eigentliche Problem verstellen: Hier versucht eine winzige Funktionselite ihre Forderungen auf Kosten der Allgemeinheit durchzusetzen. Im Gegensatz zum normalen Streik stehen ihre Mittel in keinem Verhältnis mehr zu dem erstrebten Zweck.

Das Problem, daß winzige Gruppen an den Schalthebeln der öffentlichen Dienstleistung eine Monopolstellung besitzen, ist typisch für die moderne Gesellschaft. Deshalb ist die, Auseinandersetzung zwischen der Bundesregierung und den Fluglotsen von exemplarischer Bedeutung. Wenn die Regierung jetzt, nachdem sie ihre Entschlossenheit gezeigt hat, diesen Kampf durchzufechten, noch einmal klein beigibt, macht sie sich nicht nur lächerlich, sie öffnet ähnlichen Aktionen Tür und Tor. (Siehe auch Seite 5) R. Z.