Fritz-Karl Schulte überläßt Ludwig Poullain die Mehrheit seines Unternehmens

Vor siebzehn Jahren übernahm Fritz-Karl Schulte die Horstmarer Strickstrumpffabrik Schulte & Dieckhoff von seinem Vater und machte sie zur größten Feinstrumpffabrik Europas. Siebzehn Jahre war Schulte Beherrscher und Motor des deutschen Strumpfmarktes. Jetzt wurde er sein Opfer.

Zum 1. Juli muß der westfälische Fabrikant sein Unternehmen zu 58,2 Prozent an Ludwig Poullains Westdeutsche Landesbank-Girozentrale verkaufen. Das Stammkapital der GmbH wurde zugleich um zehn auf 60 Millionen Mark aufgestockt. Die Gründe: anhaltender Preisverfall und ein glückloses Engagement in Amerika.

Der Expansionsdrang, mit dem Schulte sein Unternehmen vorantrieb, hatte ihm bereits früher Rückschläge beschert und die Firma oft an die Grenzen ihrer Finanzkraft gebracht. So hatte der Münsterländer Maschenwirker schon 1967 seinen Strumpfbetrieb zu 50,1 Prozent an die Sagitta-Beteiligungsgesellschaft des Hamburger Versandhändlers Werner Otto veräußert. Doch im gleichen Jahr kehrte Schulte ins Unternehmen zurück: Er übernahm nicht nur die Otto-Anteile, sondern zahlte auch noch den Partner bei der Opal-Textilwerke GmbH, die Stuttgarter Strumpfkonkurrenz Hudson aus.

Doch damit hatte sich der Westfale offensichtlich übernommen. Außerdem brachte die seit 1963 in Italien betriebene Hemdenfabrik Marvin-Gelber SpA, die den deutschen Markt mit billiger Herrenober- und Freizeitbekleidung belieferte, nicht den gewünschten Markterfolg. Und schließlich traf die Konjunkturkrise des Jahres 1967 den Strumpfmacher voll.

Seine Devise „Wenn ich sehe, daß eine Sache läuft, mache ich große Stückzahlen und senke den Preis“ bescherte ihm in dieser Situation einen Verlust von zehn Millionen Mark. Der Umsatz ging von 431 auf 410 Millionen Mark zurück, und der Marktführer blieb auf 175 Millionen Schulden sitzen. Nur eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen für einen Kredit von 20 Millionen konnte das Unternehmen wieder flott machen.

Schulte freilich strahlte schnell wieder Optimismus aus. „Das wird mir“, so versprach er, „nicht noch einmal passieren, ich habe viel gelernt.“ Er trennte sich – entsprechend einer Auflage bei Vergabe der Landesbürgschaft – von seiner italienischen Hemdenfabrik. Im Herbst 1969 konnte er den Kredit zurückzahlen.