Von Barbara von Jhering

Nicht alles, was von Wasser umspült wird, heißt Insel, zumindest nicht in Nordfriesland. Es gibt die Insel – das ist Sylt, darüber braucht man nicht zu streiten. Es gibt außerdem zwei Inseln nämlich Amrum und Föhr, und es gibt schließlich die Halligen, zehn an der Zahl, zwischen 3,5 und 985 Hektar groß,

Nun darf man diese Eilande – um auf einen neutralen Begriff auszuweichen – keineswegs alle über einen Kamm scheren. Auf den Halligen findet man keinen kilometerbreiten Strand wie auf Amrum, keine Dünen und keine Steilküste wie auf Sylt, keine Wälder wie auf Föhr. Es sind flache Scheiben grünen Landes, von denen aus der Ferne nur die Warften aus dem Wasser ragen: Hügel, auf denen sich die Friesenhäuser zusammendrängen, auf der Flucht vor der Flut, kleine Inseln auf den Inseln, Dörfer im Dorf.

Manchem bietet solche Landschaft zu wenig Abwechslung. Fest steht nur soviel: Wer das Meer so liebt, daß er es immer um sich haben mag, in Sichtweite sozusagen, für den ist eine Halligwarft der richtige Standort,

Der Besucher wird sich, schon auf Grund des Angebots, vielleicht für Hallig Hooge entscheiden, Sie war von jeher die – Königin unter den Halligen, mit dem reichsten Baumwuchs und den wohlhabendsten Bewohnern, die von ihren Fahrten auf holländischen Walfängern oder Handelsschiffen bedeutende Schätze heimbrachten. Wer heute im Königspesel, der wohl berühmtesten friesischen Wohnstube, steht und durch die Fenster auf die von Salzwasser durchzogenen Wiesen schaut, vermag rasch einzusehen, daß solche Reichtümer kaum dem Land abzugewinnen waren. In dieser Stube hat nach der großen Flut von 1825, bei der zum letztenmal ganze Warften weggespült wurden, der damalige Landesherr, König Frederick VI. von Dänemark, gewohnt, um den Schaden „persönlich in allerhöchsten Augenschein zu nehmen“. So liest man auf einer Tafel in der Kirche.

Nein, von der Landwirtschaft allein hat hier nie einer leben können. Heute gibt es 350 Fremdenbetten, in diesem Jahr sind sie bereits bis Mitte August ausgebucht. Bewunderung gebührt den Halligbewohnern, daß sie ihre Landschaft trotzdem intakt halten konnten.

Wenn man sie danach fragt, wiegen Halligleute den Kopf und sagen „auf Hooge ist vieles anders“, und man könnte hinzufügen: fremdenverkehrsmäßig sogar alles.