Wechselkursänderungen haben auf dem europäischen Agrarmarkt selten die in den wirtschaftstheoretischen Lehrbüchern beschriebenen Wirkungen. Nach den Markaufwertungen der Vergangenheit hätten die Lebensmittelpreise in der Bundesrepublik sinken müssen. Andererseits hätten nach der faktischen Abwertung der italienischen Lira durch die Wechselkursfreigabe die Nahrungsmittelpreise in Italien um etwa ein Drittel steigen müssen. Daß beide Effekte nicht eintraten, ist dem in der Europäischen Gemeinschaft praktizierten System des Grenzausgleichs im Agrarhandel zu verdanken.

Durch den Grenzausgleich, der im Falle einer Aufwertung einer Besteuerung der Einfuhren und Subventionierung der Ausfuhren gleichkommt, werden die Landwirte in der Bundesrepublik vor Einkommensverlusten bewahrt. Der Vorteil für die Landwirte wirkt sich beim Lebensmittelkäufer als Nachteil aus: Preissenkungen bleiben aus. Das Beispiel Italien zeigt, daß das Ausgleichssystem auch dem Verbraucher zugute kommen kann. Der Grenzausgleich sorgt in-diesem – Fall durch die Subventionierung der Einfuhren landwirtschaftlicher daß der Konsument von Preissteigerungen geschützt wird. Dieses System kann aber auch bizarre Resultate hervorbringen. So stellte der Zentral verband des Butter-, Käse- und Fettwarengroßhandels in Bonn nach der jüngsten Mark-Aufwertung fest, daß die Einfuhren von einigen Agrar-Produkten nicht nur nicht billiger, sondern gar teurer wurden. Käse als Holland, so hatte der Verband errechnet, verzeichnete eine Preissteigerung um 2,42 Prozent.

Als Ursache für dieses Ergebnis hatten die Großhändler falsch berechnete Grenzausgleichsbeträge ausgemacht. In der Brüsseler EG-Zentrle, wo wöchentlich die Höhe der in den Mitgliedsstaaten anzuwendenden Ausgleichsbeträge entsprechend den Wechselkursänderungen festgelegt wird, gab es jedoch keine Zweifel an den eigenen Rechnungskünsten. „Bei Wechselkursschwankungen um 2,25 Prozent, wie sie in der EG zulässig sind“, so die Auskunft eines Experten, „können solche Abweichungen vorkommen, wenn eine Währung mal am oberen und mal am unteren Rand der Schwankungsbreite steht.“ Die Verantwortung für die absurden Folgen des Brüsseler Währungseinmaleins liegt nach Auffassung der Agrarier bei den Finizministern: „Wenn es nach den Markterfordernissen des Agrar-Schwankungsbreite nicht mehr als 1,5 Prozent betragen dürfen.“ hhb