Die Pleiten signalisieren: Das große Geschäft mit Immobilien ist zu Ende

Von Jens Friedemann

In Nürnberg jagte die Kripo den 35jährigen Peter Otte, Chef der Baugesellschaft Moplan, der sich – wie inzwischen feststeht – mit Freundin und unterschlagenen Baugeldern seiner Kunden auf die Bahamas abgesetzt hat. In Homburg pfändeten in der vergangenen Woche Gerichtsvollzieher Goldring und Manschettenknöpfe des Pleitebaulöwen Josef Kun und bepflasterten Haus und Hof mit den bekannten Kuckucks-Siegeln.

In List auf Sylt verschwand der Bürgermeister und (bis vor einigen Tagen) Großbauherr, Horst-Günther Hisam. Nach dem Zusammenbruch seiner Bau- und Liegenschaftengesellschaft, die über einen 85 Meter hohen Betonklotz in Schleswig strauchelte, „ließ er sich bei uns nicht mehr blicken“, (Bürgermeisteramt in List). In Hamburg ist der Geschäftsführer der Baulandfinanz GmbH & Co KG, Eckehard Weiß, für niemanden mehr zu sprechen, seitdem der Konkursrichter die Firmenbücher inspiziert. In München löste am Freitag letzter Woche eine Zeitungsmeldung Rätselraten aus. Einer der großen Baulöwen soll kurz vor dem Bankrott stehen.

Der Immobilienmarkt in der Bundesrepublik ist nach Jahren explosiver Expansion in eine neue Phase eingetreten. Doch die Situation ist grotesk: Während auf den Baustellen ein nie gekannter Boom herrscht und der Überhang an genehmigten, aber noch nicht begonnenen oder fertiggestellten Wohnungen erstmals die Millionengrenze überschritt, bahnt sich in der Baubranche eine Pleitewelle an. Skeptische Beobachter glauben sogar, Parallelen zur Investmenteuphorie und ihrem Ende 1970/71 ziehen zu müssen. Damals wie heute waren weite Kreise der Bevölkerung vom Spekulationsfieber gepackt und ebenso wie Cornfeld mit seiner IOS könnte Kun mit seiner Baupleite eine Welle des Mißtrauens auslösen.

Banken und Kunden sind beunruhigt. Wer einer Baugesellschaft Geld anvertraute, fordert heute Sicherheiten. Mit Recht, die Kun-Affäre löste nämlich die größte Bankpleite der Nachkriegszeit aus. Der Zusammenbruch der Düsseldorfer Bau-Kredit-Bank AG, die das Kun-Imperium mit Krediten in Höhe von 150 Millionen Mark stützte, wiegt in den Augen der Öffentlichkeit schwer. Erstens ist es bereits die dritte Bankpleite in einem Jahr, und zweitens gehörte das Düsseldorfer Institut keinem abenteuerlichen Finanzjongleur sondern renommierten Banken und Versicherungen.

Noch mehr Bankpleiten?