An Italiens Tankstellen teilen die Tankwarte Kraftstoff nur zehnliterweise zu. Dabei laufen die Raffinerien – Italien ist eines der größten Ölverarbeitungsländer Europas – auf vollen Touren.

Des Rätsels Lösung: Die Preise für Benzin und Superkraftstoff sind in Italien behördlich festgelegt, seit 1969 wurden sie nicht verändert. Damals blieben bei 152 Lire je Liter noch einige Lire für den Gewinn übrig, doch heute machen die Ölkonzerne bei diesem Preis um so größere Verluste, je mehr sie verkaufen; allerdings nur im Inland. Wegen der ungebremsten Preissteigerung im Ausland exportieren die italienischen Kraftstoffhersteller ihre Produkte. Auch die zum staatlichen italienischen ENI-Konzern gehörende Kraftstoff-Vertriebsgesellschaft AGIP ist mit von der Partie und schloß dafür sogar einen Teil der Tankstellen im Lande.

Vereint mit den sechs Konkurrenten – der siebte (BP), verkaufte wegen mangelnder Ertragsaussichten seine Anlagen – haben die Raffineriegesellschaften Italiens das Land trocken gelegt, um den Staat zu einer Erhöhung der Preisspanne für Kraftstoffe zu zwingen. Da die alte Regierung Andreotti abtrat, ohne eine Entscheidung zu treffen, gilt die seit zwei Wochen laufende Aktion der neuen, am vergangenen Sonntag gebildeten Regierung Rumor. Der neue Finanzminister wird die Benzinsteuer senken müssen oder die Preisbehörde muß einlenken. fg