Innerhalb von zwölf Monaten haben sich die Preise für leichtes Heizöl fast verdoppelt. Vergeblich warteten die Verbraucher bislang auf das traditionelle sommerliche Preistal. Die großen Mineralölgesellschaften schätzen, daß die Bevorratung mit leichtem Heizöl beim Handel und Verbraucher zur Zeit ein Defizit von mehr als eine Million Tonnen gegenüber dem Normalstand aufweist.

Die Mineralölindustrie rechnet deshalb nicht damit, die Preise für leichtes Heizöl in diesem Jahr zurücknehmen zu müssen. „Vagabundierende“ Mengen, die in den Vorjahren. zeitweise auf die Preise drückten, sind nicht vorhanden. Johannes C. Welbergen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Shell AG, Hamburg, führt dies nicht auf die Amerikaner zurück, die angeblich alle verfügbaren Mineralölprodukte aufkaufen, sondern darauf, daß die Libyer ihren Mineralölexport gedrosselt haben. Das feilende Öl müssen die europäischen Raffinerien aus dem Nahen Osten beziehen. Dieses Rohöl ist aber qualitativ weniger gut, und die Raffinerien sind auf dessen Verarbeitung nicht eingestellt. Die Folge: Der Anteil an schwerem Heizöl, der bei der Destillation anfällt ist größer als bei Libyschem Erdöl. So ist es auch zu erklären, daß leichtes Heizöl in den drei Monaten von 16,65 auf 21,55 Mark je 100 Liter (bei Abnahme von 5000 Liter frei Kundentank Hamburg) gestiegen ist, während schweres Heizöl sich in der gleichen Zeit um fünf Mark je 100 Liter verbilligt hat.

Nach Ansicht der Mineralölkonzerne ist spätestens im September mit einem weiteren Preisanstieg für leichtes Heizöl zu rechnen. Inwieweit bei solchen Prognosen die Absicht mit im Spiel ist, den Verbraucher zur sofortigen Abnahme von Heizöl zu bewegen, bleibt abzuwarten. Die Aussichten auf rückläufige Heizölpreise sind indessen gering. Nicht zuletzt deshalb, weil die derzeitige Marktsituation den Mineralölkonzernen Gelegenheit bietet, sich für die Verluste der vergangenen Jahre schadlos zu halten.

Welbergen sieht nicht nur beim leichten Heizöl noch Spielraum nach oben, sondern auch bei Benzin. K. W.