Die Gebührenerhöhung ärgert die Zuschauer und bringt die Anstalten nicht aus dem Defizit

Von Gunhild Freese

Soll uns Hören und Sehen vergehen?“ fragte besorgt die Deutsche Zeitung. Springers Bild am Sonntag wetterte: „So nicht! Spart mal lieber .. Die Berliner Morgenpost steuerte gesammelte Politikerproteste bei. Der Medienexperte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gerhard Reddermann, erkannte: „Maßlos überhöht.“ Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Wohlrabe konstatierte schadenfroh: „Eine Folge der Inflationspolitik der Regierung.“

Auch das zahlende Publikum blieb nicht sprachlos. Ein Leser aus Schafbrücke schrieb der Saarbrücker Zeitung: „In weiten Bevölkerungskreisen ist man schon lange über die unverantwortliche Vergeudung öffentlicher Gelder bei Rundfunk und Fernsehen empört, ja man spricht sogar von einer Mißwirtschaft...“

Den Zorn des Fernsehvolkes zogen sich die Verantwortlichen für Funk und Fernsehen Ende letzten Jahres zu, als sie mit der Bitte um mehr Geld an die Öffentlichkeit traten. In seltener Eintracht präsentierten die zehn Intendanten der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) und des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) ihre Wünsche: Die Ministerpräsidenten der Länder möchten einer Gebührenerhöhung von jetzt 8,50 Mark auf zwölf Mark zum 1. Januar 1974 zustimmen. Andernfalls sei ein Defizit in den Haushalten der Funk- und TV-Zentralen nicht mehr abzuwenden.

Die Post läßt bitten

An ihre Hörer und Seher direkt wandten sich die Funkgewaltigen jedoch erst, als die Sache fast schon gelaufen war. So wurde Mitte Juni norddeutschen Fernsehzuschauern innerhalb von drei Tagen gleich zweimal die Frage „Muß Fernsehen teurer werden?“ gestellt: In einer über zweistündigen Live-Sendung im gemeinsamen III. Programm von Hamburg, Bremen und Berlin und in einer dreiviertelstündigen Studiodiskussion im Zweiten Deutschen Fersehen. Die Antwort der TV-Gewaltigen barg keine Überraschungen: Fernsehen, so wußten die Funkherren nachzuweisen, wird teurer werden müssen.