Neu in Museen und Galerien

Hamburg Bis zum 2. September, Altonaer Museum: „Die Gemäldesammlung des Hamburgischen Senators Martin Johann Jenisch (1793–1857)“

Martin Johann Jenisch, erfolgreicher Bankier und verantwortungsbewußter Bürger, war ein Mann, der seiner Zeit um einen knappen, aber entscheidenden Schritt voraus war, und der es verstand, seine Gaben und Güter sowohl zur eigenen Freude wie auch zum allgemeinen Wohl zu nutzen. Sein Landhaus (heute Dependance des Altonaer Museums) in dem nach ihm benannten Park und sein Stadtpalais (heute Domizil des Überseeclubs) gehören zu den schönsten klassizistischen Bauten in Hamburg, seine Bildersammlung entstand noch vor der ersten öffentlichen Sammlung in Hamburg und war zugleich die erste Sammlung zeitgenössischer Malerei. Die öffentliche Kehrseite dieser privaten Medaillen: Jenisch war Präses der Baudeputation (in seine Amtszeit fiel der große Brand 1842) und Mitglied des Vorstandes des noch jungen Kunstvereins. Der Sammler war wie der Kaufmann Jenisch : moderiertes Engagement auf der Basis realistischer Motive. Seine private Sammeltätigkeit endete, als die Wände seiner Häuser bestückt waren, aber die rund 100 Bilder, die er in der Zeit zwischen 1829 und 1845 erwarb, zeigen ihn als durchaus aufgeschlossenen Kunstfreund, der vorwiegend die Werke junger Künstler kaufte; die Deutsch-Römer waren es zu Anfang (bei Overbeck bestellte er persönlich ein Bild in Rom), dann die Münchner und Berliner Genremaler, schließlich die Düsseldorfer und die zeitgenössischen Niederländer. Die Sammlung Jenisch enthält keine Sensationen, wohl aber ein paar schöne Bilder und Lehrreiches für aufgeschlossene Kunstfreunde aller Zeiten.

Petra Kipphoff

Neuenkirchen Bis zum 2. September, Galerie überSoltau Falazik, Springhornhof: „Reale und irreale Räume“

Wo im vorigen Sommer das „Heidebild“ glorifiziert und persifliert, auf seine rosa Vergangenheit und schwarze Zukunft befragt wurde, da sollte diesmal über das Raumproblem, den pluralistischen Raum, den Raum im realen und im irrealen Modus meditiert werden. Ein ziemlich vages Thema, in dem sich ungefähr alles unterbringen läßt. Die meisten der rund hundert Teilnehmer haben denn auch irgendeine Arbeit aus ihrem Atelier in die Lüneburger Heide geschickt. Man sieht beispielsweise eine ganze Wand mit Spiegelobjekten von den Leuten, die seit eh und je Spiegelobjekte machen wie der immer wieder exzellente Adolf Luther, wie Bonato und Christian Megert, die alle mit Hilfe des Spiegels eine irreale oder illusionäre Räumlichkeit erschließen. Aber auch Sozialkritisches wird unterm Stichwort Raum angeboten. Man kämpft gegen Umweltverschmutzung, für Kinderspielplätze, man macht („bloody monument“ von Otto Dressler) auf die Gefahren des Straßenverkehrs aufmerksam. Jens Cords liefert ein ironisches Hommage auf Boccionis futuristisches Gemälde „Der Lärm der Straße dringt ins Haus“ (das Original hängt in Hannover im Museum). Der „Holzbrief“ von Karl Schaper „An die Jungfer Margaret in Nürnberg am gotis Gärtlein, Abs.: Dr. Dr. ing. D. Heinrich Faust“ geht lustig am Thema vorbei. Der engagierte Klaus Staeck hat ein Cello auseinandergenommen und die Reste im Glaskasten montiert, das Objekt heißt „Christliches. Abendland“ und soll wohl politisch aggressiv gemeint sein. Uecker nagelt einen „Käfigraum“. Gojowczyk entwirft eine Bibliothek, deren Tür mit Büchern vermauert ist. Es wird tiefsinnig Philosophisches produziert („Ambivalenter Raum“ – was ist das?) oder einfach geblödelt. Am besten macht das Bernh. Joh. Blume, der „Das Gähnen der Kunst im Raum“ beschreibt: „Transzendental-kritisch gesehen – gibt es – ja an sich – keinen. Raum. Als solcher ist er völlig irreal – jawohl!... Allerdings, zwischen mir und ihr – kreist ein Raum in Kelchform. Oh, Herr, laß diesen nicht – an uns vorübergehen!“

Gottfried Sello