Von Horst-Wolfgang Bremke

Kaum zehn Jahre ist es her, da gelangten Deutschlands „Führungskräfte der Wirtschaft“ zu einer bitteren Erkenntnis. Ihre Arbeitsmethoden, so wurde ihnen von allen Seiten bekundet, ließen zu wünschen übrig. Ein Schlagwort machte die Runde: Es bestehe ein Management-Gap zwischen den cleveren, eroberungsgewohnten Lenkern amerikanischer Wirtschaftsimperien und den biederen, im Aufbauboom der Nachkriegszeit groß gewordenen Selfmade-Managern der Alten Welt.

Um die Lücke zu schließen, traten allenthalben Management-Propheten auf. Sie verkündeten eine Heilslehre, die – wie nicht anders zu erwarten – aus Amerika kam: Planen, Organisieren, Führen und Kontrollieren, „diese vier wichtigsten Funktionen des Managements“, seien erlernbar. Wie Pilze schossen überall in der Bundesrepublik und bei ihren Nachbarn – vornehmlich der managerfreundlichen Schweiz – Lehrinstitute „für Manager, die hart an sich arbeiten wollen“, aus dem Boden.

Teilweise in ihrer eigenen Karriere verkrachte Ex-Manager und Unternehmensberater fungierten als Institutsleiter oder Dozenten. Zum besseren Renommee buchte man international bekannte Management-Experten und Technologiefuturologen (wie den Amerikaner Hermann Kahn) für einen Vortrag und warb mit ihren Namen mindestens ein Jahr lang.

Der Erfolg blieb zunächst nicht aus. Zu Kursgebühren zwischen 50 und 4000 Mark, je nach Schwierigkeitsgrad und Dauer des Lehrgangs, kamen die über ihre bisherige Unfähigkeit erschreckten Wirtschaftsbosse in Scharen. An ihrer Spitze rangierten so klangvolle Namen wie der des Waschmittelherstellers Konrad Henkel oder des Porzellanfabrikanten und ehemaligen SPD-Staatssekretärs Philip Rosenthal.

Insgesamt bieten schätzungsweise 200 Institutionen in deutschen Landen Trimester für Trimester zwischen 3000 und 5000 Kurse und Seminare an. Der Boom kam so schlagartig, daß es bis heute nicht gelang, auch nur für die Bundesrepublik eine überschaubare Statistik des Schulungsangebots zu erstellen. Entsprechende Versuche des Statistischen Landesamtes in Stuttgart und des Deutschen Industrieinstituts in Köln sowie der Deutschen Gesellschaft für Personalführung in Düsseldorf waren allenfalls erste Gehversuche.

Doch die Mühe erübrigt sich möglicherweise. Seit wenigen Monaten scheint der Boom der Management-Lehrer nämlich vorbei zu sein. Der Deutschen Gesellschaft für Betriebswirtschaft in Berlin blieb plötzlich ein Viertel ihrer bisherigen Teilnehmer aus. Mangels Interesse fielen bei der Meersburger Manager-Akademie 30 Seminare aus. 30 bis 40 Seminarausfälle gab es 1972 bei den Heidelberger Management-Seminaren.