Im Bundesfinanzministerium weiß die linke Hand offenbar nicht, was die rechte tut, beziehungsweise der eine Staatssekretär nicht, was der andere plant. Während Helmut Schmidts Staatssekretär Hans Hermsdorf kürzlich versicherte, der im Rahmen der Stabilitätspolitik bis Mai 1974 ausgesetzte Paragraph 7b des Einkommensteuergesetzes werde in alter Form wieder in Kraft treten, erklärte der zweite Staatssekretär, Konrad Porzner, die steuerliche Förderung der eigenen vier Wände solle auf eine Wohnung je Ehepaar beschränkt werden.

Das rief nun wieder die FDP auf den Plan. Deren Wirtschaftsexperte Graf Lambsdorff witterte einen Anschlag auf die Gleichberechtigung der Ehefrau. Sie müsse ebenso mit Hilfe des Fiskus ein Haus bauen dürfen wie ihr Mann. FDP-Steuerexpertin Liselotte Funcke gar erklärte, daß eine Änderung des Paragraphen 7b „nur über meine Leiche“ stattfinden könne.

Doch ein Eigenheim kann ebensogut auf den Namen der Ehefrau wie des Ehemannes eingetragen sein. Viele Ehepaare lassen sich überdies je zur Hälfte im Grundbuch als Eigentümer eintragen, Es ist nicht einzusehen, warum mit Steuermitteln weiterhin der Bau von Zweitwohnungen finanziert werden soll, die in den Erholungsgebieten die Landschaft verschandeln und den Bau-Boom anheizen. Frau Funcke sollte sich deshalb fragen, ob sie ihr Leben nicht für sinnvollere und wichtigere Fragen riskieren will. mj