Von Marietta Riederer

Lanvin, Paris, ist ein Symbol für Luxus und Eleganz. „Eine nationale Institution, wie die Academie Française“, sagte Sacha Guitry und ließ die Frauen seiner vier Ehen bei Jeanne Lanvin einkleiden. Das Haus Lanvin ist das älteste Couturehaus von Paris und zugleich das einzige, das in der vierten Generation von derselben Familie geleitet wird.

Liebhaberinnen von Parfüms denken an „Arpège“ und rekapitulieren „My sin“, „Rumeur“, „Scandale“, „Crescendo“ und als neuesten Duft „Via Lanvin“. Herren kennen die Adresse „Lanvin, 15, Faubourg Saint-Honcré, Paris“ vom Etikett in den Krawatten, jenen edlen Flughafen-Mitbringseln in letzter Minute.

Das Paradies der Damen liegt gegenüber: 22, Faubourg St. Honoré, und wurde 1890 Ton Jeanne Lanvin gegründet. Sie war 27 Jahre, die älteste von sechs Geschwistern und schon geschieden. In einer Zweizimmerwohnung des Stammhauses begann sie erfolgreich als Modistin. Da ihr die Kindermode der Jahrhundertwende mißfiel, zog sie ihre Tochter Marie-Blanche nach eigenem Geschmack an. Auf Spaziergängen fragten fremde Damen nach der Adresse der Schneiderin dieser Kleidchen, und bald kamen Bestellungen von allen Seiten, Töchterchen Marie-Blanche, die spätere Gräfin Polignac, wurde so das erste Mannequin im Hause Lanvin, ebenso schön wie sanft.

Kinderkleider, später Jungmädchengarderobe bis zur Brautausstattung, wurden der Fonds des Lanvin-Unternehmens, das mit einem Kredit von 300 Francs und dem Wohlwollen der Stofflieferanten begonnen hatte. Der Stil dieser Jugend-Haute-Couture – übrigens der ersten in Paris – blieb immer der gleiche, variierte in Stoffen, Farben und Stickereien und präsentierte das, was in die Mode als sogenanntes „Stilkleid“ einging: schmales Oberteil und langer gebauschter Rock war Jeanne Lanvins Erfindung.

Bald folgten Haute-Couture-Kollektionen für Erwachsene, die in den zwanziger Jahren zu den elegantesten von Paris gehörten. Die Premieren fanden abends und in Abendkleidung statt. Hochadel, Finanzadel und berühmte Schauspielerinnen mit ihren Freunden drängten sich an Madame Lanvin vorbei, die, etwas erhöht an einem Pult sitzend, mit schlichter Zopffrisur so einem druckend war, daß man als Novizin in der Modepresse glaubte, vor ihr einen Knicks machen zu müssen. Nirgends gab es schönere dunkelhaarige Mannequins, während die Blonden immer den momentanen Girl-Typ verkörperten – und alle brachten Schwaden köstlichen Parfüms in die Salons.

1925 wurden die „Lanvin-Parfums“ samt Schönheitsprodukten. gegründet (seit 1964 mit Niederlassungen in New York). Im Jahr 1926 eröffnete Jeanne Lanvin als erste in der Haute Couture ein exklusives Herrenmodegeschäft im gegenüberliegenden Haus. Daraus wurde das Unternehmen „Lanvin-Tailleur-Chemisier“, das heute alle sieben Stockwerke belegt. Es wird von Yves Lanvin, einem Neffen von Madame, geführt. Seine Frau, kurz Madame Yves genannt, ist verantwortlich für die Damen-Haute-Couture und hat als Assistentin von Jeanne Lanvin ihren Job begonnen.