Wenn sich früher die Journalisten und Politiker den Kopf über die FDP zerbrochen haben, so war der Anlaß meist die Frage: Wird die Partei überleben? Jetzt schießen wiederum die Spekulationen ins Kraut, freilich aus anderem Grund: Die Liberalen sind durch eine solide Zunahme an politischem Gewicht für die CDU interessant, für die SPD zuweilen ärgerlich geworden.

Dies geschieht in einem Augenblick, da die Union unter ihrer neuen Führung für die FDP akzeptabler erscheint und der Vorrat an Gemeinsamkeiten in der Koalition geringer wird. So ist es kein Wunder, daß manche FDP-Politiker recht selbstsicher den Koalitionspartner vor linken Irrwegen warnen, und es ist auch nicht erstaunlich, daß manche Journalisten eifrig darüber rätseln, wann denn nun endlich ein unheilbarer Zwist in der Koalition aufbreche. Ein paar deftige Worte des nordrhein-westfälischen Innenministers Weyer an die Adresse der SPD und ein unverbindlich-freundliches Wort von Scheel über die CDU gelten schon als Vorbereitung eines Koalitionswechsels. Die Wirklichkeit freilich hält mit diesen Spekulationen nicht Schritt.

Wer sich an die Zeiten erinnert, als die FDP noch mit der CDU/CSU im gleichen Boot saß, wird aus solchen Warnsignalen der FDP kaum auf dramatische Veränderungen schließen. Damals flogen die Fetzen, und man koalierte trotzdem weiter. Immerhin, eines ist deutlich geworden: Die sozialliberale Koalition, die 1969 wie eine unlösbare Schicksalsgemeinschaft begonnen hat, ist jetzt eine Interessengemeinschaft auf Zeit – eine normale Koalition. R. Z.