Wieder einmal gibt es für Tausende von Schülern Zeugnisse. Wieder einmal fühlen sich viele durch zu schlechte oder ungerechte Beurteilung benachteiligt, und das mit Recht!

Zum Beispiel könnten die Noten eines durchschnittlichen Schülers in einer anderen Klasse mit einem niedrigen Klassenniveau besser sein. Allein dadurch ist schon keine optimale Beurteilung möglich; hinzu kommt, daß verschiedene Lehrer dieselbe Arbeit unterschiedlich zensieren. Außerdem legt ein Lehrer mehr Wert auf mündliche Leistung, der andere mehr auf schriftliche Arbeiten.

Viele Lehrer sind nun dazu übergegangen, die Leistungen der einzelnen Schüler vor der Klasse zu besprechen. Grobe Fehlentscheidungen werden hierdurch so gut wie ausgeschlossen. In Zweifelsfällen hat jedoch wieder der Lehrer die letzte Entscheidung zu treffen. Leider kommen diese Zweifelsfälle nur zu oft vor, und allzu häufig fallen sie zuungunsten des betroffenen Schülers aus.

Die Zensurenspanne – eins bis sechs – ist für eine optimale Beurteilung mangelhaft, da sie zuwenig über die wirkliche Leistung aussagt. Oft hört man bei Zensurenbesprechungen in der Klasse, daß ein Schüler sagt: „Eine schlechte Vier ist mir lieber als eine gute Fünf.“ Schüler und Lehrer würden es daher begrüßen, wenn die Zensurenspanne ausgedehnt würde, um gerechter zensieren zu können.

Durch unsere Mißstände in der Zensurengebung muß man leider feststellen, daß Schüler mit den gleichen Noten über ein unterschiedliches Wissen verfügen. Also spielt bei einem Zeugnis Glück eine ebenso große Rolle wie Können. Dies dürfte heutzutage, da Zeugnisse eine immer wichtigere Rolle spielen, eigentlich nicht mehr vorkommen. Weiter muß bemängelt werden, daß ein Zeugnis so gut wie nichts über den Schüler selber aussagt. Zum Beispiel ist es doch wichtig zu wissen, ob sich der Schüler der Gesellschaft anpassen kann oder ob er in der Lage ist, Probleme allein zu bewältigen. Solche allgemeinen Fragen müßten in einem Zeugnis ebenfalls beantwortet werden, denn sie sagen über einen Menschen mehr aus als Zensuren.

Michael Bienkowski, 16 Jahre