Aufsichtsräte haben darüber zu wachen, daß Manager ihre Geschäfte korrekt führen. Was aber, wenn eines dieser Ratsmitglieder sich selbst etwas zuschulden kommen läßt?

Herbert Knapp, Arbeitnehmer-Vertreter im Mannesmann-Aufsichtsrat, wurde wegen Ladendiebstahls im vergangenen Jahr rechtskräftig verurteilt und ließ sich vor einigen Monaten abermals ertappen – beim Entwenden einer Dose Kaviar. Bis hierhin ist dieser Fall ein Fall privater Schuld. Doch was nun folgt, grenzt an einen Skandal.

Herr Knapp legte nicht etwa sein Mandat nieder. In einem Akt falsch verstandener Kameraderie oder Solidarität sprach ihm der Betriebsrat der Mannesmann-Hüttenwerke, durch dessen Wahl er in den Aufsichtsrat gelangt war, das Vertrauen aus. Nicht einmal dem IG-Metall-Chef Loderer, bei Mannesmann stellvertretender AR-Vorsitzender, gelang es, seinen Kollegen zum Rücktritt zu bewegen. Im Vertrauen auf die Fähigkeit der Arbeitnehmer, die Affäre selbst zu bereinigen, versäumte es AR-Chef Franz-Heinrich Ulrich (Deutsche Bank), die rechtzeitige Abberufung Knapps zu erwirken. So scheiterte der Versuch, die Angelegenheit still zu bereinigen. Erst unter dem Druck detaillierter Zeitungsberichte räumte Knapp seinen Stuhl – zwei Stunden vor Beginn der Hauptversammlung. Ein miserabler Stil. Eg